Frankfurter Allgemeine Zeitung
Mittwoch, 6. März 2024

 

FAZ Artikel Wie Buffet für Techfans

Wie Buffett für Techfans

Es müssen für Anleger nicht immer nur die glorreichen Sieben sein. Eine deutsche Fondsgesellschaft zeigt, wie sie mit Tech-Aktien den Nasdaq schlägt – und Cathie Wood sowieso.

Der Name ist gleich eine Ansage: BIT Capital steht für Berlin Investment Technologies – Technologie aus Berlin. Aber eben auch Kompetenz in Berlin für die technologischen Trends auf der ganzen Welt. Gründer und Investmentstratege Jan Beckers hat es sich zum Auftrag gemacht, für seine Anleger die Frage zu beantworten: Was sind in zehn Jahren die besten Unternehmen auf der Welt? Eine Frage, die sich jede Fondsgesellschaft und jeder Anlagestratege stellen sollte. Beckers gibt aber eine sehr klare Antwort: „Das Leben wird noch viel mehr als heute von Tech dominiert werden, und das sollte man als Anleger nicht verpassen.“

Wer also immer wieder verpassten Chancen bei Amazon, Apple oder nun Nvidia nachtrauert, bekommt von Beckers die Antwort: „Die Welt ist täglich voll neuer Opportunitäten, die kommen immer wieder.“ Also nicht verzagen, die Augen offenhalten. Aber bei diesen hohen Technologiebewertungen noch kaufen? „Letztlich kommt es auf das richtige Verhältnis der Bewertung zum Wachstum an“, sagt Beckers: „Nehmen wir zum Beispiel Nvidia. Deren Chips bleiben der zentrale Flaschenhals beim Thema Künstliche Intelligenz und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Es muss zwar immer mal wieder mit Rückschlägen gerechnet werden, das Aufwärtspotential überwiegt aber weiterhin deutlich.“

In seinem Flaggschifffonds BIT Global Internet Leaders 30 spielen die großen Sieben der Börse selbstredend eine Rolle, aber differenziert: „In Meta, Nvidia, Amazon und Microsoft sind wir stark positioniert, nicht aber in Google/Alphabet, die gerade straucheln und derzeit auch nicht in Tesla und Apple“, sagt Beckers und versucht, wichtige Trends früher als andere zu erkennen: „Als sich das Ausmaß von Corona in den Fallzahlen im Februar 2020 nur vage andeutete, waren wir bereits gut vorbereitet, um in die Corona-Gewinner zu investieren und haben Werte wie Zoom, die uns vorher zu teuer waren, und Hello Fresh gekauft.“

Auch das Thema künstliche Intelligenz sei früh erkannt und darin investiert worden. Dass der Fonds sich besser schlägt als der große Tech-Index dieser Welt, der Nasdaq, und auch als der fokussiertere Nasdaq-100, liegt auch daran, dass eben nicht nur bloß die großen Sieben gekauft werden. Im BIT Global Internet-Leaders-Fonds war jüngst das Schwergewicht die Nu Bank – ein Wert, den sicher nicht jeder kennt: eine Bank mit operativem Hauptsitz in São Paulo. „Die haben bereits 80 Millionen Kunden in Südamerika und Mexiko und können dank KI nicht nur effizientere Kredite mit weniger Ausfällen vergeben, sondern auch die Kosten im Kundenservice und der Software-Entwicklung um etwa ein Drittel senken“, sagt Beckers.

Auf Platz zwei im Fonds folgt Kaspi, ein Finanzdienstleister aus Kasachstan. „Die sind hochprofitabel, immer noch niedrig bewertet, wachsen auch in 2024 zweistellig und haben eine der weltweit besten Finanz-Apps, mit der man fast alles machen kann“, sagt Beckers: „Und auch das wirtschaftspolitische Umfeld in Kasachstan ist stabil und der Markt dank Kaspi ein Vorreiter bei der Digitalisierung.“ Auf Rang drei dann ein noch etwas kleinerer Wert, auf den Beckers aber besonders große Stücke hält: „Duolingo ist bereits jetzt die größte Sprachlernschule der Welt mit circa 30 Millionen täglich aktiven Nutzern“, sagt Beckers: „Die durch KI generierten Lerninhalte, die Chatfunktion mit KI-Tutoren und die exzellente Kundenbindung machen Duolingo zu unserem Favoriten unter den Bildungs-Aktien.

Der Onlinebildungsmarkt ist einer der ersten Märkte, der von KI revolutioniert wird.“ Vergangene Woche hat das Unternehmen die Börse abermals mit seinen Zahlen positivüberrascht und die Aktie einen Kurssprung um 20 Prozent gemacht. Deutsche Aktien sind nicht unter den Schwergewichten im Fonds. Der Hörspielfigurenhersteller Tonies und der Kochboxenversender Hello Fresh sind die einzigen deutschen Titel. „Beide sind mit Blick auf die nächsten ein bis zwei Jahre sehr, sehr günstig“, sagt Beckers: „Tonies liefert gutes Wachstum und Hello Fresh war zunächst ein großer Corona-Gewinner, dann haben wir sie verkauft und sind nach dem heftigen Kursrückgang erst seit sehr kurzem wieder drin. Wir halten den Kursrückgang für übertrieben.

“Der deutsche Aktienmarkt gibt aus Sicht der Berliner Fondsgesellschaft jedoch nicht viel mehr Technologie-Favoriten her. „Wir wären gerne viel mehr in deutschen und europäischen Unternehmen investiert“, sagt Beckers: „Wir sehen es als Auftrag, die, die es gibt, zu finden. Aber solange das noch so selten der Fall ist, ist es für deutsches Geld immer noch besser, zumindest weltweit durch Geldanlage von Technologieerfolgen zu profitieren und damit unseren Wohlstand zu wahren. Es geht zudem auch schneller und einfacher, als mal eben die nächste Nvidia hier zu erfinden. “Gut eine Milliarde Euro ist in Beckers Fonds investiert, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben werden.

Im Flaggschiff BIT Global Internet Leaders ging es im vergangenen Jahr je nach Anlageklasse um 74 bis94 Prozent nach oben, im Nasdaq-100, auf den viele Anleger mit ETF setzen, „nur“ um 54 Prozent. Auch dieses Jahrliegt der Fonds mit gut 10 Prozent Plus schon wieder vor dem Index und auch weit vor der populären US-Tech-Investorin Cathie Wood und ihren Fonds. Im Jahr 2022, einem sehr bitteren Jahr speziell für Technologiewerte, ging es aber auch für den Fonds kräftig nach unten. Der Draw-Down, also der Weg vom Hoch des Fonds im Herbst 2021 zum Tief 2022, betrug 67 Prozent. Das lag im damaligen Trend der Tech-Werte und auch vieler anderer Aktien in der Zinswende. Schön ist das für Anleger aber dennoch nicht. „Wir haben einiges in der Zeit lernen können und sind nun viel aktiver, vor allem im Hinblick auf makroökonomische Fakten und einen verbesserten Risikomanagementprozess“, sagt Beckers.

Sein Fonds liefert trotz des fiesen Rückschlags seit der Gründung vor gut fünf Jahren immer noch eine Jahres-Performance von im Durchschnitt sagenhaften 32 Prozent. Anlegern sollte aber bewusst sein, dass zwischenzeitliche Rückschläge schmerzhaft sein können. Noch intensiver gilt das für die kleineren Fonds des Hauses, wie den BIT Global Fintech Leaders, der Kryptowerte beimischt und mit Coinbase ein Schwergewicht hat oder den BIT Global Crypto Leaders, der in Unternehmen der Kryptowelt ebenso investiert wie in die Kryptowährungen direkt und sich zuletzt im Zuge der starken Bitcoin-Wertentwicklung mehr als verdoppelt hat. „Wir glauben, dass die Blockchaintechnologie, die Identitäten garantieren kann, beispielsweise beim Thema Fake News sehr nützlich werden wird, ähnlich wie es Crypto als Wertspeicher in Inflationsländern wie Argentinien, Nigeria oder der Türkei schon heute ist“, sagt Beckers.

Der 41 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler aus Münster hat selbst viele Jahre Erfahrung als Gründer, Unternehmer und Investor, die er in seine Fondsgesellschaft einbringt. Entsprechend hat er auch einen breiten Ansatz für die Titelauswahl gewählt. „Unser Fokus ist die fundamentale Analyse der Unternehmen, wie Warren Buffett nur mit Tech-Fokus, kombiniert mit algorithmischer Datenanalyse“, sagt Beckers: „Wir vereinen hier den unternehmerischen Blick mit einem sehr datengetriebenen Investmentprozess, und haben Daten-Ingenieure an Bord. Reine Daten-Modelle, wie viele Quant-Fonds es machen, ohne zu wissen, was die Unternehmen überhaupt genau machen, das wäre uns zu wenig.“

35 Spezialisten sind in Berlin mit der Unternehmensauswahl und der Datenanalyse befasst. „Ein technologiefokussiertes Team, das es in Deutschland in der Breite in dieser Art kein zweites gibt“, sagt Beckers. Bisher gibt der Erfolg ihm recht. Duolingo hat es vergangene Woche wieder gezeigt. Und anders als Tech-Abstinenzler Buffett, der nicht weiß wohin mit seinen 165 Milliarden Dollar an Barem, sieht Beckers bekanntlich noch viele neue Opportunitäten.

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