„Elon Musk hat sich mit seinen Unternehmen verzettelt” – Jan Beckers im Beckers-Bets-Podcast

„Elon Musk hat sich mit seinen Unternehmen verzettelt” – Jan Beckers im Beckers-Bets-Podcast Risiko-Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewähr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Es handelt sich hierbei nicht um Anlagevermittlung, Anlageberatung oder Ähnliches. Ihr entscheidet selbst, was ihr macht. Diese Transkription wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und zur besseren Verständlichkeit redaktionell leicht angepasst. Inhaltliche Abweichungen zum Original-Podcast sind möglich. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. 00:23 – Christoph DammBeckers Bets – der Investment-Podcast mit Jan Beckers.Hallo Jan. 00:28 – Jan BeckersHallo Christoph. 00:30 – Christoph DammHeute sprechen wir über ein Thema, das für manche vielleicht überraschend kommt: Aktiv oder passiv investieren.Und später schauen wir auf aktuelle Tech-Earnings.Du hast dich neulich in einem Interview zu dem Thema ETFs geäußert – deshalb wollen wir das heute hier ausführlich besprechen.Wie stehst du ganz grundsätzlich zur Geldanlage per ETF? Sind die ein Feind aktiver Fondsmanager? 01:08 – Jan BeckersNein, überhaupt nicht.Ich finde es sehr gut, dass weltweit viel Geld in ETFs fließt.Gerade in Deutschland gibt es beim Aktienbesitz enorme Nachholbedarfe.Für viele Anleger ist es sinnvoll, unkompliziert über Sparpläne oder breit diversifizierte ETFs investiert zu bleiben.Das begrüße ich ausdrücklich. 01:47 – Christoph DammDu hast schon Stockpicking angesprochen – für Privatanleger ist das schwierig.Wenn man sich entschließt, ein eigenes Depot aus Einzelaktien aufzubauen:Wie viel Zeit muss man mitbringen? 02:06 – Jan BeckersIch will niemandem davon abraten, einzelne Aktien zu kaufen – aber man sollte wissen, wovon man spricht.Ideal ist es, wenn man selbst Kunde eines Unternehmens ist, in der Branche arbeitet oder eine echte Leidenschaft

00:23 – Christoph Damm
Beckers Bets – der Investment-Podcast mit Jan Beckers.
Hallo Jan.
00:28 – Jan Beckers
Hallo Christoph.
00:30 – Christoph Damm
Heute sprechen wir über ein Thema, das für manche vielleicht überraschend kommt: Aktiv oder passiv investieren.
Und später schauen wir auf aktuelle Tech-Earnings.
Du hast dich neulich in einem Interview zu dem Thema ETFs geäußert – deshalb wollen wir das heute hier ausführlich besprechen.
Wie stehst du ganz grundsätzlich zur Geldanlage per ETF? Sind die ein Feind aktiver Fondsmanager?
01:08 – Jan Beckers
Nein, überhaupt nicht.
Ich finde es sehr gut, dass weltweit viel Geld in ETFs fließt.
Gerade in Deutschland gibt es beim Aktienbesitz enorme Nachholbedarfe.
Für viele Anleger ist es sinnvoll, unkompliziert über Sparpläne oder breit diversifizierte ETFs investiert zu bleiben.
Das begrüße ich ausdrücklich.
01:47 – Christoph Damm
Du hast schon Stockpicking angesprochen – für Privatanleger ist das schwierig.
Wenn man sich entschließt, ein eigenes Depot aus Einzelaktien aufzubauen:
Wie viel Zeit muss man mitbringen?
02:06 – Jan Beckers
Ich will niemandem davon abraten, einzelne Aktien zu kaufen – aber man sollte wissen, wovon man spricht.
Ideal ist es, wenn man selbst Kunde eines Unternehmens ist, in der Branche arbeitet oder eine echte Leidenschaft dafür hat.
Je mehr Zeit man investiert, desto mehr kann man auch sinnvoll analysieren.
Ob das am Ende zu einer höheren Rendite führt, ist eine andere Frage.
Aber als Beimischung ist es völlig in Ordnung.
02:57 – Christoph Damm
Viele kommen aber irgendwann zur Frage: ETF oder aktiv gemanagter Fonds?
Gibt es Bereiche, in denen ETFs klar im Nachteil sind?
03:20 – Jan Beckers
Ja.
In effizienten Märkten – etwa großen, etablierten Märkten – hat aktives Management es schwerer, Alpha zu generieren.
Da sind kostengünstige ETFs eine gute Wahl.
Aber in Bereichen mit hoher Dynamik, hoher Volatilität oder strukturellem Wandel – etwa Tech, Emerging Markets, Sondersituationen – können gut informierte, aktive Manager klaren Mehrwert schaffen.
Allerdings gilt: Viele Fondsmanager schaffen das langfristig nicht, vor allem aufgrund von Kosten.
Aber es gibt Fonds, die wiederholt deutlich outperformen – in genau diesen komplexen Segmenten.
06:01 – Christoph Damm
Wie entstehen solche Marktanomalien – und wie entdeckt ihr sie?
06:18 – Jan Beckers
Marktpreise bewegen sich ständig – Käufer und Verkäufer reagieren auf neue Informationen.
Würde nur noch passiv investiert, würden Informationen kaum noch eingepreist:
Keine Reaktion auf gute Quartale, keine Reaktion auf Probleme.
Aktives Investieren macht Märkte überhaupt erst effizient.
Wir analysieren Unternehmen, Branchen und viele exklusive Datensätze.
Wenn wir sehen, dass ein Unternehmen deutlich besser läuft als es der Markt erwartet, kaufen wir.
Wenn wir sehen, dass ein Unternehmen im Hintergrund Probleme hat, verkaufen wir.
Das können Finanzdaten, Technologietrends, Kundengespräche oder Lieferantenkontakte sein – oder proprietäre Daten, die wir einkaufen.
08:55 – Christoph Damm
Wie läuft so ein Entscheidungsprozess bei euch praktisch ab?
09:37 – Jan Beckers
Die meisten Unternehmen auf unserem Radar kennen wir seit Jahren.
Wenn etwas Spannendes auftaucht – durch Analysten oder durch Daten –, machen wir zuerst ein kurzes Pre-Research von fünf bis zehn Seiten.
Das diskutieren wir im Team, stellen Folgefragen, sprechen mit Experten und prüfen alternative Datenquellen.
Dann vergleichen wir die Erwartungen des Marktes mit unseren Daten.
Banken (Sell-Side) liegen häufig daneben; institutionelle Anleger (Buy-Side) können andere Erwartungen haben.
Wenn alles passt, kommt es zu einer Investmententscheidung – typischerweise in ein bis drei Wochen.
Bei größeren Positionen folgt dann monatelange Vertiefung.
Und bei Unternehmen wie NuBank, die wir seit Jahren begleiten, fließt monatlich neue Research ein.
12:39 – Jan Beckers
Und wenn wir eine Position stärker gewichten wollen, folgt noch viel mehr Research.
Es ist ein kontinuierlicher Prozess.
13:08 – Christoph Damm
Ihr verwaltet im Global Internet Leaders Fund rund 500 Mio. Euro.
Wie flexibel bleibt man bei dieser Größe?
13:36 – Jan Beckers
Sehr flexibel.
Wir investieren hauptsächlich in Unternehmen zwischen 2 und 100 Milliarden Market Cap, oft an US-Börsen.
Dort liegt das tägliche Handelsvolumen in Hunderten Millionen oder sogar Milliarden.
Unsere Größenordnung lässt sich problemlos handeln.
14:22 – Christoph Damm
Viele Fondsmanager schlagen ihre Benchmark langfristig nicht.
Ist das ein Problem für die Branche?
14:43 – Jan Beckers
Wenn man als aktiver Manager dauerhaft kein Alpha erzielt, sollte man ehrlich sein:
Dann ist aktives Management nicht sinnvoll.
Unsere Fonds erwirtschaften seit fünf bis sechs Jahren rund 15 % Alpha pro Jahr.
Das ist extrem stark – in Europa und weltweit.
Aber klar: Wer dauerhaft schlechter ist als seine Benchmark, sollte seinen Ansatz überdenken.
16:11 – Christoph Damm
ETFs wachsen stark. PWC erwartet 19 Billionen Dollar AUM bis 2030.
Kann passives Investieren „zu groß“ werden?
16:55 – Jan Beckers
Es wird weiter wachsen – und das ist völlig in Ordnung.
Wir sehen: Je mehr passiv investiert wird, desto mehr Alpha-Chancen entstehen für aktive Manager.
In Deutschland ist das größere Problem ohnehin:
Menschen investieren viel zu wenig in Aktien.
Ob ETF oder Fonds ist zweitrangig – Hauptsache, sie investieren überhaupt.
Und: Die Welt wird technologischer. Wer dort nicht investiert, verpasst Wohlstand.
18:27 – Christoph Damm
Viele merken erst mit dem Rentenbescheid, dass sie selbst vorsorgen müssen.
18:36 – Jan Beckers
Absolut.
Und man sollte nicht glauben, dass Geld in Zukunft genauso viel wert bleibt.
Europa wird viel Geld ausgeben müssen – das wird Inflation treiben.
Die gesetzliche Rente ist nicht sicher, das erkennt jeder, der auf Demografie und Finanzen schaut.
19:21 – Christoph Damm
Früh anfangen ist also entscheidend.
19:28 – Jan Beckers
Ja. Wer zögert, verpasst den Zinseszinseffekt.
Fang mit kleinen Beträgen an – 500 oder 1.000 Euro – und baue Vertrauen auf.
20:08 – Christoph Damm
Kommen wir zu Emerging Markets – ein Bereich, in dem aktives Stockpicking klar überlegen sein kann.
Ihr seid in Caspi investiert.
Was lief im ersten Quartal gut?
20:56 – Jan Beckers
Caspi ist eine unserer größeren Positionen – und das aus gutem Grund.
Das Unternehmen begann als Payment-App in Kasachstan und ist heute eine Super-App:
– Marketplace
– Lebensmittellieferung (in weniger als 12 Monaten profitabel!)
– Reisebuchungen
– Government Services (Führerschein, Auto anmelden etc.)
– Mietüberweisungen
Die App ist tief im Alltag verankert.
Kasachstan hat 20 Mio. Einwohner – doch Caspi macht über 2 Milliarden Dollar Gewinn und wächst weiter.
Dank starker Marktposition und hoher Profitabilität sind die Bewertungen attraktiv.
Und nach dem Listing an der NASDAQ haben wir die erhöhte Liquidität genutzt, um unsere Position auszubauen.
23:10 – Christoph Damm
Glaubst du, so eine Super-App könnte es auch in Deutschland geben?
23:24 – Jan Beckers
Sie müsste es geben – aber es dauert lange.
Gerade als Berliner weiß man, wie frustrierend Behördenprozesse sind.
Ob es eine private Super-App wird oder staatliche Apps – schwer zu sagen.
Aber mehr Digitalisierung ist unvermeidlich.
24:12 – Christoph Damm
Schauen wir auf Meta. Umsatz +27 %, aber der Ausblick hat Anleger verunsichert. Warum?
24:34 – Jan Beckers
Mark Zuckerberg hat einen neuen Investmentzyklus angekündigt – vor allem für KI.
Das bedeutet kurzfristig höhere Kosten.
Die Frage ist: Blickt der Markt da durch?
Langfristig sind die Investitionen fast sicher wertschaffend.
Meta entwickelt sich sehr gut, Werbung wird immer relevanter, Konversionsraten steigen.
Die Aktie ist nicht teuer, eher attraktiv.
Entscheidend wird: Wie viel belastet KI kurzfristig die Kostenstruktur?
26:32 – Christoph Damm
Meta sagt, Lama 3 sei ein großer Schritt Richtung „weltbeste KI“.
Kann Meta das Rennen gewinnen?
26:52 – Jan Beckers
Sie sind sehr gut aufgestellt.
Mit Open-Source-Strategie haben sie die Entwickler-Community hinter sich.
Ob sie Nummer 1 werden? Schwer zu sagen.
Aber sie werden sicher ganz vorne dabei sein – die Datenbasis und tägliche Nutzung durch Milliarden Menschen sind ein massiver Vorteil.
27:54 – Christoph Damm
Google ist ebenfalls stark – aber droht Disruption im Suchgeschäft?
28:25 – Jan Beckers
Google ist hervorragend positioniert: starke Infrastruktur, viele Talente, große Datenbasis.
Aber es gibt zwei große Risiken:
- Verändertes Suchverhalten durch KI-Assistenten.
- Niedrigere Werbemargen, weil KI-Abfragen hohe Rechenleistung benötigen.
Google kann profitieren – oder Marktanteile verlieren.
Beides ist möglich.
Execution war zuletzt nicht so stark wie bei Meta.
31:16 – Christoph Damm
Und Microsoft? Ist das die ideale Einstiegsaktie für Tech?
31:41 – Jan Beckers
Microsoft war eine großartige Einstiegsaktie – und ist extrem gut diversifiziert.
Sie haben kaum Schwächen, viele Synergien und wenig Risiken.
Das ist aber auch eingepreist: Microsoft ist teurer als Meta oder Alphabet.
Das Geschäftsmodell ist sehr stabil – aber nicht mehr günstig.
32:56 – Christoph Damm
Kommen wir zu Tesla.
Schwache Zahlen, aber neue Modelle und gute Nachrichten aus China.
Wie ordnest du das ein?
33:23 – Jan Beckers
Ich stehe weder auf der Fan- noch auf der Hater-Seite.
Tesla ist gut positioniert und hat enorme Chancen im EV-Markt.
Aber chinesische Hersteller holen stark auf.
Und Elon Musk verzettelt sich massiv – besonders mit Twitter.
Das hat schon viele Unternehmer eingeholt.
FSD und Batteriethemen bieten Chancen – aber insgesamt ist es ein gemischtes Bild.
Wir schauen taktisch drauf und sind mal investiert, mal nicht.
35:20 – Christoph Damm
Timing ist also entscheidend – ein Vorteil aktiven Investierens.
Vielen Dank, Jan!
35:38 – Jan Beckers
Sehr gerne.
36:02 – Christoph Damm
Wenn ihr Themenwünsche oder Fragen habt, schreibt an beckers-bets@financeforward.com oder kommentiert die Folge bei Spotify.
Und lasst uns gerne fünf Sterne da.
Danke fürs Zuhören – bis zum nächsten Mal.

