Fondsmanager Beckers: „China dürfte für Investoren wieder deutlich wichtiger werden“

Fondsmanager Beckers: „China dürfte für Investoren wieder deutlich wichtiger werden“ Risiko-Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewähr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Es handelt sich hierbei nicht um Anlagevermittlung, Anlageberatung oder Ähnliches. Ihr entscheidet selbst, was ihr macht. Diese Transkription wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und zur besseren Verständlichkeit redaktionell leicht angepasst. Inhaltliche Abweichungen zum Original-Podcast sind möglich. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Christoph DammBeckers Bets – der Investment-Podcast mit Jan Beckers. Hallo Jan. Jan BeckersHallo Christoph. Christoph DammAls wir das letzte Mal gesprochen haben, warst du in den USA. Dieses Mal meldest du dich aus China. Du bist weiterhin viel unterwegs, und das nutzen wir heute direkt und legen den Fokus etwas stärker auf das Land. Und das machen wir nicht allein. Auch euer Mann vor Ort, Manuel, ist wieder mit dabei. Viele Stammhörer kennen ihn bereits. Hallo Manuel. ManuelHallo, freut mich, wieder dabei zu sein. Es sind gerade wirklich sehr spannende Zeiten, deshalb passt das Timing perfekt. Christoph DammDann starten wir direkt mit euch. Jan, vielleicht erzählst du kurz, warum du diesmal in China bist. In den USA warst du ja auf einer Investorenkonferenz – was führt dich nun hierher? Jan BeckersWir hatten den Eindruck, dass in China nach dem großen Erfolg von DeepSeek gerade unglaublich viel Dynamik in der Tech-Szene herrscht. Viele Signale deuten auf frischen Wind hin. Wir haben zwar im Vorfeld mit vielen Unternehmen per Zoom gesprochen – oder über Manuel –, aber am meisten lernt man eben vor Ort: Firmenbesuche, Produktdemos, Robotics – da passiert vieles sehr schnell.Wir wollen ein Gefühl für die Stimmung bekommen – sowohl insgesamt als auch für konkrete Unternehmen, um unsere

Christoph Damm
Beckers Bets – der Investment-Podcast mit Jan Beckers. Hallo Jan.
Jan Beckers
Hallo Christoph.
Christoph Damm
Als wir das letzte Mal gesprochen haben, warst du in den USA. Dieses Mal meldest du dich aus China. Du bist weiterhin viel unterwegs, und das nutzen wir heute direkt und legen den Fokus etwas stärker auf das Land.
Und das machen wir nicht allein. Auch euer Mann vor Ort, Manuel, ist wieder mit dabei. Viele Stammhörer kennen ihn bereits. Hallo Manuel.
Manuel
Hallo, freut mich, wieder dabei zu sein. Es sind gerade wirklich sehr spannende Zeiten, deshalb passt das Timing perfekt.
Christoph Damm
Dann starten wir direkt mit euch. Jan, vielleicht erzählst du kurz, warum du diesmal in China bist. In den USA warst du ja auf einer Investorenkonferenz – was führt dich nun hierher?
Jan Beckers
Wir hatten den Eindruck, dass in China nach dem großen Erfolg von DeepSeek gerade unglaublich viel Dynamik in der Tech-Szene herrscht. Viele Signale deuten auf frischen Wind hin. Wir haben zwar im Vorfeld mit vielen Unternehmen per Zoom gesprochen – oder über Manuel –, aber am meisten lernt man eben vor Ort: Firmenbesuche, Produktdemos, Robotics – da passiert vieles sehr schnell.
Wir wollen ein Gefühl für die Stimmung bekommen – sowohl insgesamt als auch für konkrete Unternehmen, um unsere Investmentthesen zu schärfen.
Christoph Damm
Wie offen sind die Unternehmen? Von außen wirkt China ja oft abgeschottet, aber börsennotierte Firmen brauchen ja auch eine gewisse Transparenz.
Jan Beckers
Die meisten Unternehmen sind erstaunlich offen und freuen sich über europäischen Besuch – den bekommen sie kaum. Ein Unternehmen sagte heute Morgen sogar: „Ihr seid ja richtig konträr.“
Das zeigt uns, dass wir wahrscheinlich früh dran sind, wenn es um die neue Bewegung und das Wiederaufleben der Tech-Szene geht.
Christoph Damm
Manuel, du bist als BIT-Capital-Analyst dauerhaft vor Ort. Hast du guten Zugang zu Gründern und Managern?
Manuel
Ja, absolut. Viele Kontakte sind über WeChat sofort erreichbar. Ich würde keinesfalls sagen, dass sich Firmen hier abschotten. Sie wollen wachsen, sie wollen Austausch.
Makroökonomische Themen begleiten uns natürlich immer – aber für uns ist Tech der Fokus. Und der Handelskonflikt zwischen USA und China wirkt sich auf viele Bereiche aus. Strafzölle hier und dort, aber überraschenderweise ist China selbst bisher weniger betroffen als Europa.
Zur Makrolage:
Die Immobilienkrise hält an. Immobilienpreise fallen, viele Chinesen besitzen mehrere Wohnungen, oft fremdfinanziert. Wenn Preise sinken, wird weniger konsumiert. Die Leute waren lange extrem vorsichtig.
Aber seit ein bis zwei Monaten sieht man erste positive Signale. Die Regierung unterstützt aktiv – mit Konsumprogrammen, Rabatten, Subventionen für Haushaltsgeräte. Das zeigt Wirkung.
Manuel
Viel spannender ist aber die Wirkung von DeepSeek. Das hat einen regelrechten Mentalitätswechsel ausgelöst. Die Leute sind unglaublich stolz. Überall sieht man Werbung für AI – in jedem Stadtteil, auf jedem Bildschirm.
Die Akzeptanz der Chatbots ist enorm: ByteDance, DeepSeek, Tencent – sie werden von Jung und Alt genutzt. Manche nutzen sie als Gesprächspartner, andere als Horoskop-Ersatz. Es hat die Massen erreicht.
Das schafft ganz neue Energie in der Tech-Szene.
Christoph Damm
Jan, du wolltest etwas zu deinem Erlebnis am Flughafen erzählen.
Jan Beckers
Ja. Zwei Dinge passieren gleichzeitig:
Die Konsumstimmung ist weiterhin gedämpft. Aber gleichzeitig hören wir von CEOs großer Firmen, dass sich die politische Haltung gegenüber der Privatwirtschaft deutlich verbessert hat.
In den letzten Jahren war Regulierung ein großes Risiko – die Regierung war eher skeptisch gegenüber Tech.
Doch jetzt wird klar: Wenn China bei AI weltweit vorne sein will – und das ist erklärtes Ziel –, braucht es eine starke private Wirtschaft.
Ein symbolträchtiges Ereignis war das Treffen von Xi Jinping mit dem DeepSeek-Gründer und anderen Tech-Größen. CEOs sagen uns: Das ist nicht nur Symbolik. Das ist ein klares Signal für Jahre, nicht für Monate.
China will bei AI weltweit führend sein. Und mit DeepSeek hat sich das Selbstbewusstsein massiv erhöht. Endlich gibt es wieder eine große Erfolgsgeschichte – nach Jahren schwacher Tech-Stimmung.
Jetzt sieht man Unternehmen, die global expandieren und sehr günstig bewertet sind. Da entsteht gerade ein außergewöhnliches Setup für Investoren. Auch durch das gesamte Handelskriegs-Umfeld sind in den letzten Jahren für die USA, für Europa und für andere Märkte zusätzliche Risiken entstanden. Diese Risiken gibt es natürlich auch für China.
Allerdings muss man sagen: In China sind sie im Wesentlichen bereits eingepreist – in anderen Märkten eher weniger.
Deshalb glauben wir, dass es gerade jetzt, in den kommenden Monaten und wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren, für Tech-Investoren wieder deutlich wichtiger sein wird, China-Exposure im Portfolio zu haben.
Wir waren hier über die Jahre kontinuierlich aktiv und werden jetzt noch aktiver – damit sind wir aus unserer Sicht gut aufgestellt für diese Entwicklung.
Christoph Damm
Da waren jetzt einige Punkte drin, die wir noch einmal nach und nach durchgehen können.
Vielleicht ganz kurz zur Einordnung: Die niedrigen Bewertungen in China gibt es ja nicht erst seit gestern. Dazu kommt immer auch ein gewisses politisches Risiko – für viele Privatanleger schwer greifbar.
Du hast außerdem die Handelszölle angesprochen. Ich hatte das vorhin schon kurz erwähnt: Strafzölle hier, Strafzölle da – ganz rausnehmen kann sich China ja nicht, auch wenn es bisher nicht direkt so hart betroffen ist wie Europa.
Wie wird das in China wahrgenommen, dass Donald Trump sich aktuell eher Europa vornimmt als China? Ist das vielleicht sogar eine Chance für China, sich als vermeintlich stabilerer Partner für Europa zu positionieren?
Jan Beckers
Ich glaube schon, dass die Chinesen darin eine Chance sehen.
Wenn die Partnerschaft zwischen den USA und Europa plötzlich infrage gestellt wird, entsteht eine Lücke – und die versucht China zu füllen. Das ist für alle Seiten logisch, auch für Europa.
Außerdem exportiert China inzwischen sehr viel in andere asiatische Länder, nach Lateinamerika und in den Mittleren Osten. Wenn man sich bei Autos anschaut, wohin exportiert wird, dann ist das vor allem Asien und Lateinamerika – die USA spielen gar nicht mehr die größte Rolle.
Von den jüngsten Autozöllen sind vor allem Europa und europäische Hersteller betroffen – weniger die Exporte in die USA.
Trotzdem bleiben Zölle natürlich ein Thema. Entsprechend kann es Sinn machen, sich Geschäftsmodelle anzuschauen, die von Zöllen relativ unabhängig sind – etwa Unternehmen, die überwiegend von nationaler Nachfrage leben und gar nicht so stark auf grenzüberschreitende Exporte angewiesen sind.
Solche Modelle sind auch besser geschützt in einer weniger globalisierten Handelswelt.
Ich glaube, dieses Mal sind die Chinesen von Trump nicht so überrascht. Dass Zölle zurückkommen würden, hatten viele schon erwartet – entsprechend haben sie sich vorbereitet.
Jan Beckers
Viele Unternehmen sind zum Beispiel schon aktiver in Vietnam, Mexiko und anderen Ländern, um Produktionsströme so zu gestalten, dass sich Zölle umgehen oder zumindest abmildern lassen.
Natürlich freut sich niemand darüber – aber es ist längst nicht mehr so ein Schock wie in Trumps erster Amtszeit.
„Umgehen“ ist auch ein gutes Stichwort mit Blick auf die Chip-Beschränkungen. Die chinesischen Unternehmen sind weiterhin extrem heiß darauf, alle möglichen Nvidia-Maschinen zu bekommen.
Entweder sie kaufen die Chips, die sie noch legal erwerben dürfen, oder sie mieten über Drittländer Rechenkapazität – ebenfalls auf legalen Wegen, soweit das möglich ist.
Und ich glaube, in Kombination mit der Tatsache, dass AI-Use-Cases in China aktuell sehr stark an Endkundennachfrage gewinnen – insbesondere Chatbots, aber auch Creator- und Influencer-Anwendungen –, führt das dazu, dass die globale Nachfrage nach AI-Hardware weiter stark angetrieben wird.
Die meisten rechnen allerdings damit, dass die Exportrestriktionen aus den USA eher noch strenger werden.
Jan Beckers
Manuel, du bist viel im Austausch mit Tech-Unternehmen in China. Hast du das Gefühl, dass sich der Blick auf Europa dadurch verändert hat – gerade mit dem wirtschaftlichen Vakuum, das in Europa entstehen könnte, wenn die USA als verlässlicher Partner wegfallen? Wird Europa als Zielmarkt wichtiger?
Manuel
Ja, auf jeden Fall.
Es gibt im chinesischen Social Media zum Beispiel das Meme „Make China Great Again“ – angelehnt an Trump. Man schaut mit einem gewissen Schmunzeln auf das, was in den USA passiert.
Das treibt Europa ein Stück weit in die Arme Chinas.
Grundsätzlich versucht man schon, die Kooperation mit Europa zu vertiefen und sich – wie Jan vorhin gesagt hat – als eine Art „Safe Haven“ zu positionieren.
Aus chinesischer Sicht ist Europa beziehungsweise die europäische Führung im Moment berechenbarer als Trump in den nächsten vier Jahren.
Christoph Damm
Jan, du hast eben gesagt, man sollte China-Exposure im Portfolio wieder stärker in den Blick nehmen. Wie hat sich das konkret bei euch entwickelt?
Wir hatten ja schon im Zusammenhang mit DeepSeek darüber gesprochen, dass ihr chinesische Tech-Werte wieder interessanter findet.
Hat sich das seitdem noch einmal verändert oder verstärkt – und wie hat sich das China-Exposure in euren Fonds in den letzten Monaten entwickelt?
Jan Beckers
Das hat sich eindeutig verstärkt. Wir haben das Exposure in den letzten Monaten weiter aufgebaut.
Zwischendurch waren wir im letzten Jahr tatsächlich bei null – wir hatten China komplett draußen. Inzwischen sind wir bei ungefähr zehn Prozent und halten es für sinnvoll, diese Quote mit sehr guten Unternehmen noch weiter auszubauen.
Insgesamt glauben wir, dass ein geografisch breit diversifiziertes Portfolio – gerade in Zeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit geopolitischer Spannungen, Handelskonflikten und anderen Risiken – von einer solchen Diversifizierung stark profitieren kann.
Insbesondere dann, wenn man Zugang zu sehr günstig bewerteten Unternehmen hat, in denen die negativen Rahmenbedingungen der letzten Jahre bereits vollständig eingepreist sind.
Jan Beckers
Chinesische Unternehmen sind in den vergangenen drei Monaten zwar gut gelaufen – vor allem im Vergleich zum US-Markt –, aber das reicht bei Weitem nicht aus, um die negative Entwicklung der Jahre davor wieder aufzuholen.
Christoph Damm
Wenn man hierzulande an China-Aktien denkt, fällt vielen zuerst Alibaba ein.
Die Aktie hat seit Jahresbeginn etwa 50 Prozent zugelegt, also ein starkes erstes Quartal hingelegt.
Was macht Alibaba derzeit aus eurer Sicht besonders spannend?
Das Kerngeschäft, der E-Commerce, lief zuletzt wieder etwas besser – das hängt natürlich auch mit der wieder etwas robusteren Binnennachfrage zusammen.
Außerdem hat man kommuniziert, dass rund 60 Prozent der staatlichen Unternehmen in China die KI-Lösungen von Alibaba nutzen, und der Konzern will noch einmal massiv investieren – rund 50 Milliarden US-Dollar in KI und Cloud-Infrastruktur.
Was ist für euch aktuell das Entscheidende bei Alibaba?
Jan Beckers
Alibaba profitiert derzeit sehr stark von seinem Cloud-Geschäft.
Über die Cloud ist der Konzern sehr gut positioniert, um eine zentrale Rolle für chinesische AI zu spielen – das ist im Moment der wichtigste Treiber für die Aktie.
Im E-Commerce-Geschäft hat sich die Lage etwas verbessert – insbesondere, weil es Konsumsubventionen der Regierung gab, von denen Alibaba überdurchschnittlich profitiert hat, im Vergleich zu anderen E-Commerce-Playern.
Das sehen wir allerdings nicht als nachhaltig an.
Für die E-Commerce-Seite von Alibaba sind wir nicht besonders bullish. In den letzten Jahren gab es Wettbewerber wie Pinduoduo, die Alibaba sehr erfolgreich angegriffen haben – und dieser Wettbewerb hört nicht auf.
Die spannendere Story ist klar die Cloud- und AI-Fantasie.
Jan Beckers
Wer in praktisch jeder Diskussion über chinesische AI vorkommt, ist übrigens ByteDance.
Die sind noch nicht börsennotiert, aber faktisch immer in der Top-Liga der chinesischen Internetunternehmen dabei. Beeindruckend, wie stark sie sich entwickelt haben.
ByteDance war eines der ersten Unternehmen, das im großen Stil Nvidia-Hardware gekauft hat – zunächst, um den Recommendation-Algorithmus für TikTok zu trainieren und zu verbessern. Das hat sie erfolgreicher gemacht als Facebook.
Von diesem Vorsprung bei Hardware und Know-how profitieren sie heute massiv im AI-Bereich.
Christoph Damm
Manuel, kurz zu Alibaba: Du hast erzählt, dass du viel mit Leuten aus dem Ökosystem sprichst – kommt man an so einen Riesen auch direkt ran, oder läuft vieles über indirekte Kontakte?
Manuel
Direkter Zugang zum Top-Management von so großen Konzernen ist nicht immer einfach – ich kenne Jack Ma zum Beispiel nicht persönlich.
Aber wir sprechen viel mit Händlern, die auf Plattformen wie Alibaba, Pinduoduo oder JD verkaufen.
Wir fragen:
– Wie hat sich euer Umsatz in den letzten Jahren entwickelt?
– Wie haben sich die Gebühren verändert?
– Welche Plattform ist für euch am attraktivsten?
Das gibt oft ein viel ehrlicheres Bild als ein offizielles Management-Interview.
Bei kleineren und mittleren Unternehmen ist der Zugang zu CEOs oder CFOs deutlich leichter. Und manchmal hat man durch frühere Kontakte auch direkten Draht zu einem CEO eines großen Tech-Konzerns – das hilft enorm dabei, das Gesamtbild und auch regulatorische Themen besser zu verstehen.
Manuel
Beim E-Commerce sieht man klar: Die Stimmung hellt sich auf. Die Händler, mit denen ich spreche, wollen wachsen.
Die spannendere Frage ist dann: Auf welchem Kanal wollt ihr wachsen – auf Alibaba, Pinduoduo, JD oder anderen? Ich gehe da lieber ins Detail, statt nur zu fragen: „Wachst ihr oder nicht?“
Christoph Damm
E-Commerce ist also ein großes Thema, KI und Cloud ebenso.
Ein anderes zentrales Feld in China ist Mobilität. Wir haben hier im Podcast schon oft über Tesla gesprochen, aber selten über BYD – das sollten wir ändern.
Im vergangenen Jahr hat BYD erstmals mehr Umsatz gemacht als Tesla, und beim Absatz reiner E-Autos liegt man nur noch knapp hinter Elon Musks Firma.
Die BYD-Aktie hat seit Jahresbeginn rund 50 Prozent zugelegt – bei Tesla sieht das Bild deutlich schwächer aus.
Was macht BYD aus deiner Sicht gerade so erfolgreich, Jan?
Jan Beckers
BYD ist auch ein gutes Beispiel, um über Bewertungen zu sprechen.
Beide Unternehmen – Tesla und BYD – verkaufen grob in derselben Größenordnung, jeweils um die 100 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Beide erwirtschaften über die letzten zwölf Monate betrachtet eine Handvoll Milliarden Gewinn – Größenordnung 5–6 Milliarden.
Aber: Ein Unternehmen wächst sehr stark – BYD.
Tesla stagniert beim Absatz gerade oder steht sogar vor rückläufigen Stückzahlen.
Trotzdem ist Tesla mit rund 800 Milliarden Dollar bewertet, BYD – nach dem Kursanstieg – mit etwa 130 Milliarden.
Spricht man mit Experten aus der Automobilindustrie, ist recht klar: BYD ist aktuell sehr gut positioniert. Sie schaffen es, wirklich gute Autos sehr günstig zu produzieren.
Tesla ist dagegen mit einer ganzen Reihe struktureller Probleme konfrontiert.
Das zeigt ganz gut, wo aktuell spannende Investment-Chancen liegen, die teilweise sogar weniger riskant sind.
Ich würde Tesla im Moment als hoch riskante Aktie bezeichnen: Die Absatzzahlen werden voraussichtlich eher negativ sein, und gleichzeitig ist das Unternehmen extrem teuer.
In den nächsten Jahren wird bei Tesla sehr viel davon abhängen, was bei Robotern und autonomem Fahren passiert – das sind Geschäftsbereiche, die erst relativ weit in der Zukunft nennenswerte Umsätze bringen werden.
Bei BYD ist die Story viel klarer: Sie werden ihre günstigen E-Autos weltweit verkaufen – überall dort, wo nicht extrem hohe Zölle den Marktzugang blockieren.
Und BYD ist nicht das einzige chinesische Unternehmen, das erfolgreich Autos baut. Ein weiteres Beispiel ist Xiaomi – vielen eher als „chinesisches Apple“ bekannt.
Eigentlich ein Smartphone-Hersteller, der es in nur drei Jahren geschafft hat, ein sehr gutes Elektroauto zu entwickeln. Das, was Apple letztlich nicht umgesetzt hat, hat Xiaomi beeindruckend schnell auf die Straße gebracht.
Christoph Damm
Das klingt ein bisschen nach perfektem Sturm für die deutsche Automobilindustrie – das wäre wahrscheinlich ein eigener Podcast.
Die Zahlen sprechen ja für sich: BYD will seinen Auslandsabsatz noch einmal deutlich steigern, im chinesischen Markt ist der Wettbewerb brutal.
Wird man in Deutschland deiner Meinung nach irgendwann mehr BYD- als Tesla-Autos auf der Straße sehen?
Jan Beckers
In Europa wird sehr viel davon abhängen, wie sich die Zollpolitik entwickelt.
Wenn allein die Konsumenten entscheiden würden, hätte BYD im unteren und mittleren Preissegment hervorragende Chancen – das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wirklich gut.
Aber auch wenn Europa oder die USA den Marktzugang erschweren:
In vielen anderen Regionen – Asien, Mittlerer Osten, Lateinamerika – wird BYD voraussichtlich stark wachsen und große Marktanteile gewinnen.
Dank der starken vertikalen Integration – insbesondere im Batteriebereich – hat BYD enorme Skalenvorteile, was ihre Wettbewerbsposition zusätzlich stärkt.
Manuel
Vielleicht noch zu Xiaomi: Die Marke hatte schon vorher viele Fans, ähnlich wie Apple.
Am Anfang waren viele skeptisch: „Was will ein Handyhersteller im Automarkt?“
Aber wenn man sich heute das Xiaomi-Auto anschaut, denken viele Leute im ersten Moment, sie hätten einen Porsche vor sich – und dann hört man den Preis von rund 30.000 Euro.
Das sorgt für enorm viel Selbstbewusstsein. Und es ist ein echtes Problem für die europäische Autoindustrie – insbesondere, weil Xiaomi nicht im Billigsegment unterwegs ist, sondern genau in den Premium- und oberen Mittelklassesegmenten, in denen deutsche Hersteller besonders stark waren.
Christoph Damm
Das klingt nach einer echten Herausforderung für die deutsche Autoindustrie – aber wie gesagt, wahrscheinlich ein eigenes Thema.
Zum Abschluss würde ich gern noch einmal auf die Anlageseite zurückkommen.
Jan, du sagst: China dürfte für Investoren wieder deutlich wichtiger werden. Ist das ein langfristiges Thema oder besteht aus deiner Sicht das Risiko, dass es nur ein kurzfristiger Hype ist?
Jan Beckers
Wir sehen das als langfristiges Thema.
Die große Bremse der letzten Jahre war die chinesische Regierungspolitik gegenüber der Privatwirtschaft – insbesondere gegenüber Tech-Unternehmen.
Wenn sich das – wie es jetzt aussieht – in Richtung einer klarer „businessfreundlichen“ Linie entwickelt, ist das ein massiver Hebel.
Wichtig ist: Man muss seine Investments an den politischen Prioritäten ausrichten.
Dort, wo die Führung Wachstum will – etwa in AI, Software, Cloud, Halbleitern –, entstehen die besten Chancen. Dort fließt Kapital hin und dort haben Unternehmen den größten Spielraum.
China bleibt dennoch ein Markt mit Risiken – vor allem auf Unternehmensebene. Es gibt hervorragende Firmen, aber auch Unternehmen mit schwacher Governance oder intransparentem Reporting.
Das heißt: China ist kein Markt, in den man einfach über einen breiten Index gehen sollte.
Wenn man sich etwa den MSCI China anschaut: Der hat über 30 Jahre kaum Rendite gebracht – obwohl das Land wirtschaftlich stark gewachsen ist. Der Grund ist, dass viele schlechte oder staatsnahe Unternehmen in den Indizes gelandet sind.
Für Stockpicker hingegen ist es eine große Chance – vor allem jetzt, wo Bewertungen niedrig sind und zugleich ein politischer und technologischer Rückenwind entsteht.
Christoph Damm
Also: Ein sehr spannender Markt, aber man muss genau hinschauen, welche Titel man sich ins Depot legt.
Manuel, Jan – vielen Dank für eure Einblicke und Einschätzungen direkt aus beziehungsweise zu China. Und Jan, dir weiterhin eine gute Reise.

