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02.10.2025 ]

„Fondsmanager Beckers: Der KI-Bullenmarkt geht weiter“

Fondsmanager Beckers: „Der KI-Bullenmarkt geht weiter“ Risiko-Hinweis:Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Sie erfolgen ohne Gewähr und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente dar. Es handelt sich weder um Anlageberatung noch um Anlagevermittlung. Ihr entscheidet selbst, was ihr mit den Informationen macht. Diese Transkription wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und zur besseren Verständlichkeit redaktionell leicht angepasst. Inhaltliche Abweichungen zum Original-Podcast sind möglich. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Christoph Damm (00:23)Wir starten heute mit einem echten Meilenstein für deine Firma, Jan – für Bit Capital. Wenn wir hier im Podcast über Meilensteine sprechen, geht es oft um Performance. Heute aber sprechen wir über das Volumen der verwalteten Gelder, denn ihr habt die Zwei-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Wie wichtig ist so ein Meilenstein im Vergleich zur Performance? Jan Beckers (00:57)Die Performance ist mir wichtiger – sie sollte langfristig auch die Entwicklung der Assets under Management bestimmen. Trotzdem freut mich dieser Meilenstein sehr, weil er zeigt, dass wir inzwischen für viele Menschen mit beträchtlichem Kapital gute Renditen erzielen konnten. Es ist also ein erfreuliches Zeichen, dass wir diese Marke erreicht haben.Der Grund dafür war einerseits der Mittelzufluss, aber vor allem, dass praktisch alle unsere Fonds aktuell auf Allzeithochs stehen. Wir hatten insgesamt ein sehr starkes drittes Quartal, in dem wir die großen Indizes deutlich hinter uns lassen konnten. Diese Kombination – neue Anleger und starke Performance – freut uns natürlich besonders. Christoph Damm (01:48)Du hast es gerade angesprochen: Ihr habt einige Indizes im letzten Quartal übertroffen. Kannst du uns ein paar Zahlen nennen – wie groß war diese Outperformance konkret? Jan Beckers (01:57)Wenn man seit Jahresanfang in E

Christoph Damm (00:23)
Wir starten heute mit einem echten Meilenstein für deine Firma, Jan – für Bit Capital. Wenn wir hier im Podcast über Meilensteine sprechen, geht es oft um Performance. Heute aber sprechen wir über das Volumen der verwalteten Gelder, denn ihr habt die Zwei-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Wie wichtig ist so ein Meilenstein im Vergleich zur Performance?

Jan Beckers (00:57)
Die Performance ist mir wichtiger – sie sollte langfristig auch die Entwicklung der Assets under Management bestimmen. Trotzdem freut mich dieser Meilenstein sehr, weil er zeigt, dass wir inzwischen für viele Menschen mit beträchtlichem Kapital gute Renditen erzielen konnten. Es ist also ein erfreuliches Zeichen, dass wir diese Marke erreicht haben.
Der Grund dafür war einerseits der Mittelzufluss, aber vor allem, dass praktisch alle unsere Fonds aktuell auf Allzeithochs stehen. Wir hatten insgesamt ein sehr starkes drittes Quartal, in dem wir die großen Indizes deutlich hinter uns lassen konnten. Diese Kombination – neue Anleger und starke Performance – freut uns natürlich besonders.

Christoph Damm (01:48)
Du hast es gerade angesprochen: Ihr habt einige Indizes im letzten Quartal übertroffen. Kannst du uns ein paar Zahlen nennen – wie groß war diese Outperformance konkret?

Jan Beckers (01:57)
Wenn man seit Jahresanfang in Euro rechnet, liegt unser Global Technology Leaders Fund – also unser Flaggschiff – rund 37 Prozent im Plus. Zum Vergleich: Der NASDAQ kommt auf etwa 16,5 Prozent, der S&P 500 auf knapp 13 Prozent und der MSCI World auf rund 13,4 Prozent. Das sind genau die Benchmarks, an denen sich viele ETF-Anleger orientieren.
Wir freuen uns deshalb, dass wir erneut eine deutliche Outperformance erzielen konnten – und das in einem Jahr, in dem wir während der Schwächephasen im März und April nicht stärker verloren haben als diese Indizes. Das ist besonders erfreulich, weil wir 2022 auf der Abwärtsseite überproportional verloren hatten. Dieses Jahr verlief die Entwicklung sehr viel stabiler.

Christoph Damm (03:03)
Magst du verraten, welche Titel in diesem Jahr oder im letzten Quartal am meisten zur Performance beigetragen haben?

Jan Beckers (03:09)
Gerne. Besonders erfreulich ist, dass es sich dabei um Themen handelt, die wir hier schon länger als High-Conviction-Ideen besprochen haben.
Mit großem Abstand der wichtigste Performance-Treiber war Iris Energy, ein Bitcoin-Miner mit erheblichem KI-Potenzial. Das Unternehmen verfügt über langfristige Energieverträge und kann den erzeugten Strom in Rechenzentrumsleistung umwandeln – etwas, das der Markt jetzt erkennt, wir aber schon früh gesehen haben. Die Aktie ist in den letzten Monaten um mehrere Hundert Prozent gestiegen. Da sie zu unseren größten Positionen gehörte, hat sich das stark auf unsere Fonds ausgewirkt.
Wir haben Iris Energy entdeckt, als die Marktkapitalisierung bei rund 200 Millionen US-Dollar lag – inzwischen sind es über zehn Milliarden. Solche Fälle machen natürlich Freude, vor allem, wenn sich die gründliche Research-Arbeit auszahlt. Die Aktie war extrem volatil, aber wir hatten die nötige Überzeugung, sie durch diese Phasen hindurch zu halten. Wir haben inzwischen viele Gewinne realisiert, bleiben aber investiert, weil wir noch weiteres Potenzial sehen.

Ebenfalls sehr gut gelaufen ist Robinhood. Wir haben hier schon öfter darüber gesprochen: Unsere These, dass Robinhood zum Konsolidator im Fintech-Sektor wird, bestätigt sich. Das Unternehmen liefert starke Ergebnisse – sowohl im klassischen Brokerage-Geschäft als auch in der Verbindung von traditionellen und Krypto-Angeboten. Der Markt honoriert das mit deutlichen Kursgewinnen.

Auch Hims & Hers hat positiv beigetragen. Hier waren wir sehr aktiv: Zu Jahresbeginn war es eine große Position, zwischenzeitlich sind wir ganz ausgestiegen und dann wieder eingestiegen, als die Daten besser wurden und Risiken abnahmen. Diese Flexibilität hat sich ausgezahlt.

Christoph Damm (06:20)
Neben Kursgewinnen gibt es natürlich auch immer wieder neue Informationen – und vielleicht sind inzwischen auch einige neue Anleger bei euren Fonds dabei, vielleicht sogar unter unseren Hörern. Die wollen sicher wissen: Wie findet Jan Beckers eigentlich solche Aktien?
Bit Capital setzt ja auf eine Kombination aus KI, Daten und menschlicher Expertise. Wie genau funktioniert euer Investmentansatz?

Jan Beckers (06:40)
Wenn wir uns die drei genannten Unternehmen anschauen, sieht man gut, wie unser Ansatz funktioniert.
Bei Iris Energy war es so, dass wir sehr tief in das Subsegment der Bitcoin-Miner eingestiegen sind. Es gibt dort gar nicht so viele relevante Titel, aber sie waren für uns – auch wegen unserer Krypto-Fonds – besonders interessant. Wir gehörten wahrscheinlich zu den wenigen, die selbst im Bärenmarkt regelmäßig mit allen wichtigen Unternehmen gesprochen und genau verfolgt haben, wer seine Ankündigungen wirklich umsetzt. Iris Energy hat sich dabei besonders hervorgetan.
Im Laufe der Zeit haben wir sicher fünfzig Gespräche mit dem Unternehmen und weiteren Marktteilnehmern geführt. Durch dieses intensive Bottom-up-Research, kombiniert mit eigenen Tools, die etwa das Bitcoin-Produktionsvolumen tracken, konnten wir uns einen echten Informationsvorsprung verschaffen – vor allem dank der exzellenten Arbeit unseres Analystenteams.

Bei Robinhood und Hims & Hers, also bei konsumorientierteren Unternehmen, ergänzen wir diese klassische Analysearbeit sehr stark durch datenbasierte Tools. Wir nutzen etwa eingekaufte Zahlungsdaten oder Trading-Daten, aus denen wir Modelle ableiten – zum Beispiel, um bei Robinhood das Markt-Timing besser einschätzen zu können.
Außerdem greifen wir auf eigene Datenquellen zurück, die sonst kaum jemand in dieser Form nutzt. So gelingt es uns häufig, bei diesen Aktien das richtige Timing zu treffen.

Gerade in den letzten zwölf Monaten ist KI für uns nicht nur ein Investitionsfeld, sondern auch ein Werkzeug geworden. Mithilfe von KI-gestützten Tools können wir unser Research deutlich effizienter gestalten und damit zusätzlichen Alpha-Beitrag generieren. Das passt genau zu dem, wofür Bit Capital steht – BIT bedeutet schließlich „Berlin Investment Technologie“.
Indem wir eigene Technologie entwickeln, können wir erfolgreicher investieren. Das aktuelle KI-Zeitalter spielt uns als Asset-Manager also in die Karten, weil es uns ermöglicht, noch mehr Alpha-Potenzial für unsere Fonds zu erschließen.

Christoph Damm (09:46)
Ein besonders spannendes Thema ist ja genau diese Schnittstelle zwischen KI und Krypto – also die Infrastruktur, etwa die Mining-Firmen. Neben Iris Energy gibt es ja auch noch TerraWulf, Hut 8 oder Cipher Mining. Alle Aktien steigen derzeit stark. Wie lange kann diese Aufwärtsbewegung noch anhalten? Siehst du da keine Blasenbildung?

Jan Beckers (10:06)
Nach allem, was wir beobachten, besteht in den nächsten Jahren weiterhin eine deutliche Energieknappheit – vor allem in den USA, die beim Thema KI-Infrastruktur allen anderen Ländern weit voraus sind.
Daher sind wir auch über Iris Energy hinaus in weitere dieser Unternehmen investiert, allerdings mit kleineren Anteilen. Sie haben sich ebenfalls erfreulich entwickelt, und wir sehen weiteres Potenzial.

Gleichzeitig gilt aber: Wenn Aktien stark steigen und teurer werden, nehmen wir systematisch Gewinne mit – das haben wir bei all diesen Titeln bereits getan. Sie bleiben weiterhin Teil unserer Portfolios, allerdings mit etwas reduzierten Gewichtungen.
Wir gehen davon aus, dass Energieengpässe als strukturelles Thema die KI-Entwicklung auch in den nächsten zwei bis drei Jahren prägen werden. Die entscheidende Frage ist dabei immer: Welche Bewertungen spiegeln das schon wider – und bei welchen Titeln noch nicht?

Außerdem verschieben sich in dieser Wertschöpfungskette laufend die Engpässe. Deshalb versuchen wir, unser Portfolio so zu positionieren, dass wir frühzeitig dort investiert sind, wo der Markt die nächsten Engpässe noch nicht vollständig erkannt hat.

Christoph Damm (11:44)
Eine Firma, die der Markt längst erkannt hat, ist natürlich Nvidia – der Leuchtturm, wenn es um KI-Investments geht. Kürzlich gab es einen spannenden Deal: Beteiligt sind Nvidia, Oracle und OpenAI.
Nvidia investiert Milliarden in OpenAI, OpenAI zahlt das Geld an Oracle für Rechenzentren, und Oracle kauft davon wiederum Nvidia-GPUs. Kapital und Hardware zirkulieren also fast im Kreis – eine Art wirtschaftlicher Kreislauf.
Manche sagen, das sei ein cleverer Schachzug, andere sehen darin ein Zeichen, dass wir den Peak AI erreicht haben, weil man den eigenen Umsatz schon selbst befeuern muss. Auf welcher Seite stehst du?

Jan Beckers (12:22)
Ich halte den Deal in erster Linie für sehr clever. Für OpenAI ergibt das durchaus Sinn, denn sie müssen in den nächsten Jahren erheblich Kapital aufnehmen – und das wird einfacher, wenn Nvidia mitzieht. Nvidia ist ohnehin ein zentraler Partner, daher ist es logisch, ihnen auch eine Beteiligung zu geben. So hat Nvidia ein zusätzliches Interesse daran, dass es OpenAI gut geht – über den reinen Chipverkauf hinaus.

Auch für Nvidia ist es sinnvoll: Selbst bei der aktuellen Bewertung von OpenAI dürfte das zukünftige Potenzial noch nicht vollständig eingepreist sein. Somit ist es ein attraktives Investment.

Gleichzeitig stärkt der Deal Nvidias Position im Markt. Wenn OpenAI – der aktuelle KI-Marktführer – weiterhin einen Großteil seiner GPUs von Nvidia bezieht, festigt das Nvidias Dominanz zusätzlich. Oracle profitiert ebenso, weil das Unternehmen so seine Cloud-Kapazitäten besser auslasten kann.

Man muss verstehen: Nvidias Strategie besteht darin, nicht nur an drei große Hyperscaler – also Google, Amazon und Microsoft – zu verkaufen. Stattdessen wollen sie ein breites Kundenfeld schaffen, um die Abhängigkeit zu reduzieren und ihre eigene Marktmacht zu stärken. Deshalb bauen sie Oracle gezielt als weiteren großen Cloud-Partner auf – ebenso andere Käufer wie CoreWeave oder auch Iris Energy.

Für Nvidia ist es vorteilhaft, wenn ihre knappen Chips auch an Akteure der „zweiten und dritten Reihe“ gehen. So entsteht ein ausgewogeneres Spielfeld potenzieller Abnehmer. Genau das ist einer der Gründe, warum die klassischen Tech-Hyperscaler zuletzt Schwierigkeiten hatten, genügend Chips zu bekommen – während neue Player besser beliefert wurden. Das ist Teil von Nvidias Plan – und aus deren Sicht strategisch sehr sinnvoll.

Christoph Damm (15:49)
Also ein cleverer Schritt aus deiner Sicht. Trotzdem: Sollten Anleger sich bewusst sein, dass diese zirkuläre Struktur irgendwann auch Risiken birgt?

Jan Beckers (15:49)
Ja, absolut. Es ist wichtig, das im Hinterkopf zu behalten. Solche zirkulären Ökonomien können zunächst Wachstum befeuern, sich aber irgendwann auch gegen die Beteiligten selbst richten.
Trotzdem war das kein Grund, diesen Deal nicht zu machen – für alle Beteiligten war er strategisch sinnvoll und stärkt ihre jeweilige Position.

Christoph Damm (16:19)
Das war ja einer der ersten Deals dieser Art. Glaubst du, dass sich dieses Modell durchsetzen wird – also solche zirkulären Absprachen – und Nvidia künftig immer mehr solcher Partnerschaften eingeht, um sich andere Firmen enger zu binden?

Jan Beckers (16:35)
Ja, das halte ich für gut möglich. Nvidia sitzt auf enorm viel Kapital, das investiert werden muss, und sie haben große Überzeugung, dass viele KI-Unternehmen langfristig erfolgreich sein werden.
Hinzu kommt: Nvidia befindet sich in einer Position, aus der heraus sie sehr genau beurteilen können, welche Firmen tatsächlich Substanz haben. Sie sehen praktisch in Echtzeit, wer leistungsfähige Modelle baut, wer wie viele Chips kauft und wie effizient diese eingesetzt werden. Das macht Nvidia zu einem ausgesprochen informierten Investor in diesem Markt.

Ich gehe daher davon aus, dass wir noch weitere Deals dieser Art sehen werden – auch wenn keiner davon die gleiche Bedeutung wie die Partnerschaft mit OpenAI haben dürfte. Für Nvidia ist das strategisch sinnvoll, denn es geht in diesem Rennen darum, wer zuerst die leistungsfähigste KI entwickelt – eine KI, die wiederum in der Lage ist, sich selbst weiter zu verbessern.

Alle großen Akteure wollen dabei nicht ins Hintertreffen geraten. Wenn also OpenAI massiv in Rechenkapazität investiert, müssen andere zwangsläufig nachziehen. Insofern ist es clever von Nvidia, diesen Prozess aktiv zu fördern.

Christoph Damm (17:50)
Ein geschickter Schachzug also. Du warst vor Kurzem in San Francisco auf einer Tech-Konferenz. Im Frühjahr hattest du schon einmal berichtet, dass die Stimmung dort eher gemischt war, weil damals alles von Donald Trump überschattet wurde. Wie war die Lage diesmal?

Jan Beckers (18:09)
Genau, in San Francisco finden zweimal im Jahr die großen für uns relevanten Tech-Konferenzen statt – im März die von Morgan Stanley und im September die von Goldman Sachs. Dort treffen sich Hunderte der für uns wichtigen, meist börsennotierten Tech-Unternehmen, um mit Investoren wie uns zu sprechen und Updates zu geben.

Im März war die Stimmung noch extrem angespannt, weil damals Trumps Zollpolitik das alles dominierende Thema war. Im September hingegen war das Bild völlig anders: Alles drehte sich um Künstliche Intelligenz.
Die Stimmung war ausgesprochen positiv – sowohl bei den Hardware-Herstellern als auch bei vielen Software- und Plattformunternehmen. Die politischen Themen, die noch ein halbes Jahr zuvor im Mittelpunkt standen, spielten diesmal kaum eine Rolle.

Das bestätigt unser eigenes Bild: Wir befinden uns in einem klaren AI-Bullenmarkt. Natürlich wird es zwischendurch immer wieder Korrekturen geben, aber grundsätzlich entwickelt sich das Thema sehr dynamisch.
Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem die Vorteile von KI – für Unternehmen wie auch für Konsumenten – zunehmend sichtbar werden, und zwar auch in den Geschäftszahlen. Das reduziert die Gefahr einer großen Enttäuschungsphase erheblich.

Für Investoren bedeutet das: Wer diesen Trend erkennt, positioniert sich entsprechend. Interessant ist, dass die Einschätzungen dabei stark auseinandergehen.
Je näher ein Investor an der Tech-Branche ist, desto optimistischer ist er in Bezug auf KI. Wer eher aus dem klassischen Investmentbereich ohne tieferes Technologieverständnis kommt, ist oft skeptischer und spricht schnell von einer vermeintlichen KI-Blase.

Wir hingegen glauben, dass wir noch weit entfernt von einer Blase sind. Vielmehr befinden wir uns noch am Anfang dieser Entwicklung – und bisher bestätigt sich diese Einschätzung auch in den Ergebnissen.

Christoph Damm (21:01)
Bleiben wir beim Thema KI allgemein: OpenAI gilt vielen als das Vorzeigeunternehmen schlechthin – ähnlich wie Nvidia im Hardwarebereich. Aber es gibt ja auch Google, das oft etwas in Vergessenheit gerät. Die Aktie läuft zwar ebenfalls stark, aber wie weit ist Google mit seinen KI-Angeboten wirklich? Spielen sie in der ersten Liga mit – oder eher zweite Klasse?

Jan Beckers (21:31)
Wir waren sehr lange nicht in Google investiert, beziehungsweise in Alphabet insgesamt. Der Grund war: Zwar gibt es im Alphabet-Universum viele Bereiche, die klar von KI profitieren, gleichzeitig war aber unklar, wie stark das Kerngeschäft – also die Suche – darunter leiden könnte.
Dazu kamen kulturelle Aspekte innerhalb des Unternehmens, die uns aus Investorensicht weniger überzeugten. Deshalb haben wir Alphabet lange von der Seitenlinie beobachtet.

Im letzten Quartal haben wir dann erstmals wieder eine nennenswerte Position aufgebaut – und das mit gutem Timing. Wir sehen jetzt, dass sich die jahrelangen Investitionen von Alphabet auszahlen. Sie waren eines der ersten Unternehmen, das eine AI-First-Strategie ausgerufen hat, und sie haben früh begonnen, eigene Chips, die sogenannten TPUs, zu entwickeln.

Diese frühe Investition in Infrastruktur verschafft Alphabet heute Vorteile. Selbst Nvidias CEO spricht in diesem Zusammenhang positiv über die Leistungsfähigkeit der Google-TPUs – im Gegensatz zu vielen anderen konkurrierenden Chip-Ansätzen, die er deutlich kritischer sieht.

Wir hören auch von vielen Unternehmen, mit denen wir sprechen, dass sie Google zunehmend als Technologiepartner auswählen und enger integrieren. Außerdem sehen wir, dass Googles eigene KI-Produkte – etwa die Chatbots – inzwischen teilweise Spitzenplätze in den App-Download-Charts belegen.

Alles in allem zeigt sich: Google ist wieder deutlich besser positioniert im KI-Wettlauf, was sich auch im Aktienkurs widerspiegelt. Wir freuen uns, dort wieder Exposure aufgebaut zu haben.

Christoph Damm (23:42)
Dazu gab es ja noch ein Gerichtsurteil: Google darf seinen Browser Chrome behalten, muss dafür aber einige Daten transparenter machen. OpenAI soll angeblich interessiert gewesen sein, Chrome zu kaufen, falls Google hätte verkaufen müssen. Wie wichtig ist der Browser für das Geschäft?

Jan Beckers (23:58)
Der Browser bleibt ein zentrales Tor zum Endkunden – besonders auf dem Desktop.
Man darf nicht vergessen: Auch wir führen dieses Gespräch gerade über einen Browser. Chrome ist für Google strategisch enorm wichtig, weil er direkten Zugang zum Nutzer bietet und viele Schnittstellen mit anderen Diensten ermöglicht.
Dass sie Chrome behalten dürfen, ist daher ein klarer Vorteil – zumal der Wettbewerb im Browsermarkt zuletzt ohnehin wieder etwas stärker geworden ist.

Christoph Damm (24:36)
Lass uns zum Abschluss noch kurz nach China schauen. Nvidia darf dort ja keine Chips mehr verkaufen – beziehungsweise hat die chinesische Regierung Unternehmen untersagt, diese zu kaufen.
Alibaba und Baidu setzen ohnehin zunehmend auf eigene Chips: Baidu nutzt sie für seine Sprachmodelle, Alibaba verkauft sie für Rechenzentren.
Ist das für Nvidia ein großes Problem? Und besteht langfristig die Gefahr, dass China irgendwann mit eigenen Chips den Weltmarkt überflutet und damit die Preise drückt?

Jan Beckers (25:19)
Langfristig gibt es eigentlich kaum Zweifel, dass chinesische Unternehmen sehr leistungsfähige Chips entwickeln werden. Das Land verfügt über enormes Kapital, viel Talent und klaren politischen Fokus auf das Thema.
China ist also mitten in dieser technologischen Aufholjagd. Die entscheidende strategische Frage ist, was aus Sicht der USA klüger ist:
Soll man den Export von Chips nach China weiter einschränken, um die dortige KI-Entwicklung kurzfristig zu bremsen – und damit gleichzeitig den Aufbau einer eigenen chinesischen Chipindustrie noch stärker fördern?
Oder ist es besser, China zu beliefern, um es dadurch abhängig von westlicher Technologie zu halten und eigenes Know-how länger auf Distanz zu wahren?

Das ist eine extrem komplexe und strategisch schwierige Frage, die man nicht eindeutig beantworten kann.

Worauf wir als Investoren aber setzen, ist, dass China selbst ein sehr bedeutender Player im Bereich KI bleiben wird. Dort entstehen zahlreiche interessante Unternehmen – viele davon im Konsumentenbereich – die immer noch zu deutlich niedrigeren Bewertungen gehandelt werden als vergleichbare westliche Firmen.

Das war auch einer der Gründe, warum wir einen Teil unserer Gewinne aus dem dritten Quartal in chinesische Aktien umgeschichtet haben. Wir sind überzeugt, dass China viele KI-Gewinner hervorbringen wird. Das Land hat den größten Markt der Welt, eine vergleichsweise lockere Regulierung beim Datenschutz, eine enorme Datenbasis und vor allem sehr viel technisches Talent.
Deshalb ist es aus unserer Sicht nur eine Frage der Zeit, bis China im KI-Bereich eine führende Rolle einnimmt. Schon 2024 sehen wir eine deutliche Aufholbewegung gegenüber den Jahren zuvor.

Christoph Damm (27:45)
China bleibt für euch also interessant – und ihr bleibt dort investiert?

Jan Beckers (27:48)
Absolut. Definitiv.

Christoph Damm (27:50)
Alles klar. Jan Beckers, vielen Dank für die Einschätzungen und das Gespräch.

Jan Beckers:
Sehr gerne, bis zum nächsten Mal.

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