Fondsmanager Beckers: „KI treibt die Märkte – und der große Boom steht vielleicht erst bevor“

Fondsmanager Beckers: „KI treibt die Märkte – und der große Boom steht vielleicht erst bevor“ Risiko-Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewähr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Es handelt sich hierbei nicht um Anlagevermittlung, Anlageberatung oder Ähnliches. Ihr entscheidet selbst, was ihr macht. Diese Transkription wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und zur besseren Verständlichkeit redaktionell leicht angepasst. Inhaltliche Abweichungen zum Original-Podcast sind möglich. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. 00:23 – Christoph DammWir sind im Juli angekommen, vom Sommerloch aber noch ein gutes Stück entfernt. Dafür sorgen unter anderem die US-Zölle, die die Märkte im Frühjahr ordentlich durchgeschüttelt haben. Jetzt aber wird es spannend, denn die Frist für Deals mit den USA läuft bald ab – am 9. Juli.Kurze Info: Wir unterhalten uns am Dienstagnachmittag. Stand jetzt gibt es eine Einigung mit Großbritannien, mit der EU laufen die Verhandlungen weiter, ebenso mit Japan und China. Glaubst du, jetzt kommt ein Deal nach dem anderen – oder wird das eine Hängepartie bis zum Schluss? 01:10 – Jan BeckersIch glaube nicht, dass das alles auf einmal vorbei ist, aber es sieht aktuell so aus, als würden die Verhandlungen insgesamt gut vorankommen. Auch bei der EU gibt es Signale, dass man kompromissbereit ist. Am Ende könnte es so kommen, dass sich EU und USA einigen – zu Bedingungen, die die USA besserstellen, mit denen aber alle irgendwie leben können.So planen die Märkte derzeit auch. Natürlich ist nichts sicher, aber Trump hat ein eigenes Interesse, Fortschritte zu zeigen. Er muss auf die Midterms im nächsten Jahr schauen – und dafür braucht er eine gut funktionierende Wirtschaft. Je früher er das Tarifthema mit positiven Ergebnissen für sich abhaken kann, desto besser.Die Märkte bewerte

00:23 – Christoph Damm
Wir sind im Juli angekommen, vom Sommerloch aber noch ein gutes Stück entfernt. Dafür sorgen unter anderem die US-Zölle, die die Märkte im Frühjahr ordentlich durchgeschüttelt haben. Jetzt aber wird es spannend, denn die Frist für Deals mit den USA läuft bald ab – am 9. Juli.
Kurze Info: Wir unterhalten uns am Dienstagnachmittag. Stand jetzt gibt es eine Einigung mit Großbritannien, mit der EU laufen die Verhandlungen weiter, ebenso mit Japan und China. Glaubst du, jetzt kommt ein Deal nach dem anderen – oder wird das eine Hängepartie bis zum Schluss?
01:10 – Jan Beckers
Ich glaube nicht, dass das alles auf einmal vorbei ist, aber es sieht aktuell so aus, als würden die Verhandlungen insgesamt gut vorankommen. Auch bei der EU gibt es Signale, dass man kompromissbereit ist. Am Ende könnte es so kommen, dass sich EU und USA einigen – zu Bedingungen, die die USA besserstellen, mit denen aber alle irgendwie leben können.
So planen die Märkte derzeit auch. Natürlich ist nichts sicher, aber Trump hat ein eigenes Interesse, Fortschritte zu zeigen. Er muss auf die Midterms im nächsten Jahr schauen – und dafür braucht er eine gut funktionierende Wirtschaft. Je früher er das Tarifthema mit positiven Ergebnissen für sich abhaken kann, desto besser.
Die Märkte bewerten das positiv. Klar, es ist Trump, da kann noch viel passieren. Aber derzeit sieht es nach vertretbaren Einigungen aus, nach denen man wieder nach vorne schauen kann.
02:57 – Christoph Damm
Der Markt hat das Thema schnell zur Seite geschoben, als die Zollpausen verkündet wurden. Wir haben zuletzt neue Allzeithochs beim S&P 500, an der Nasdaq und bei einzelnen Tech-Werten gesehen.
Ist da jetzt schon viel Hoffnung in die Deals eingepreist, oder gibt es noch andere große Themen, die die Märkte antreiben?
03:18 – Jan Beckers
Es ist eine Mischung: Einerseits die Hoffnung auf positive Handelsabkommen, andererseits ganz viel KI-Optimismus.
Wir sehen große technische Fortschritte und starkes Investitionsverhalten der führenden KI-Unternehmen. Zuckerberg etwa soll einzelnen Forschern bis zu 100 Millionen Dollar an Antrittsprämien bieten. Auch Sam Altman betont, dass enorme Fortschritte in den nächsten ein bis zwei Jahren bevorstehen.
Wir sehen in vielen Firmen – auch bei uns selbst – deutliche Produktivitätssteigerungen durch KI-Tools. Unternehmen wachsen, ohne viel neues Personal einzustellen. Das entspannt den Arbeitsmarkt und schafft Fantasie für Zinssenkungen – das alles spielt in die Kurse hinein.
Es läuft letztlich auf unsere langfristige These hinaus: Wir erleben in den 2020er-Jahren einen echten KI-Bullenmarkt. Vielleicht hatten einige noch einen kleinen „AI-Winter“ erwartet, aber alles deutet derzeit eher auf eine Beschleunigung hin. Der große Boom steht uns wahrscheinlich noch bevor.
06:08 – Christoph Damm
Viele Unternehmen äußern sich ja auch sehr optimistisch – Micron, Broadcom, Nvidia, um nur einige zu nennen. Ist das nur Marketing, oder sind sie intern vielleicht sogar noch optimistischer?
06:47 – Jan Beckers
Wir hatten in den letzten Monaten sehr positive Signale, gerade aus direkten Gesprächen mit Insidern. Wenn diese Unternehmen in ihren Earnings Calls gute Ergebnisse und optimistische Prognosen kommunizieren, dann ist das ernst zu nehmen – sie wollen diese Ziele ja auch halten.
Die CapEx-Zahlen sprechen ebenfalls eine klare Sprache: Es wird massiv investiert.
Und die Produktivitätsgewinne durch KI-Tools sind real. Die Kosten sinken weiter, während die Leistungsfähigkeit steigt. Gleichzeitig gibt es in der KI-Welt die Vorstellung, dass Systeme sich bald selbst verbessern können – eine Art „Escape Velocity“, ab der Fortschritt exponentiell schneller wird. Das ist einer der spannendsten Momente der Technologiegeschichte – mit Chancen, aber auch Risiken.
10:01 – Christoph Damm
Die Nachfrage scheint hoch zu bleiben – aber woher kommt sie genau? Aus bestimmten Branchen oder auf breiter Front?
10:11 – Jan Beckers
Beides. OpenAI wächst rasant, und viele Menschen nutzen KI-Tools inzwischen täglich. Das treibt die Nachfrage nach Rechenleistung enorm.
Zudem boomen konsumnahe Anwendungen – etwa AI-Companion-Apps, bei denen Menschen mit KI wie mit Freunden oder Beratern interagieren. Und ja, auch der Erotikbereich ist, wie bei fast jedem Technologietrend, einer der kommerziell erfolgreichsten – darüber spricht man nur weniger offen.
Außerdem nutzen immer mehr Unternehmen KI inzwischen produktiv, zum Beispiel im Kundenservice. Viele ersetzen zusätzliches Personal durch mehr Rechenkapazität.
12:08 – Christoph Damm
Gerade im Kundenservice habe ich persönlich noch keine guten Erfahrungen gemacht – aber das ist wohl anekdotisch.
Wenn der große KI-Bullenmarkt kommt, werden dann vor allem etablierte Player wie Nvidia profitieren, oder auch kleinere, neue Firmen?
12:30 – Jan Beckers
Sowohl als auch. In den Private Markets sehen wir viele spannende Entwicklungen – OpenAI, Anthropic, oder auch Tools wie Lovable oder Replit. Diese Unternehmen wachsen extrem schnell, viele sind aber noch nicht börsennotiert.
Auf der anderen Seite profitieren etablierte Tech-Firmen, die KI in ihre Produkte integrieren. Ein Beispiel ist Robinhood: 26 Millionen Kunden, starke Technologie – ideale Basis, um KI-basierte Investmentberatung anzubieten.
Grundsätzlich gilt: Technologisch starke Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen profitieren am meisten – solange sie nicht von noch besseren Playern verdrängt werden.
14:52 – Christoph Damm
KI bleibt also spannend und treibt die Kurse. Trotzdem gab es im April einige unruhige Tage – auch durch Posts von Donald Trump.
Da wünschen sich viele Anleger etwas mehr Sicherheit. Euer „BIT Defensive Growth“-Fonds hat gerade Geburtstag – ein Jahr alt. Er soll Defensive und Growth vereinen. Wie passt das zusammen?
15:26 – Jan Beckers
Das war tatsächlich ein Wunsch vieler Anleger: ein Produkt, das in unsicheren Phasen weniger Verluste macht, aber trotzdem gutes Alpha liefert.
Das erste Jahr war sehr erfolgreich – plus 38 % Rendite, während der Nasdaq 100 nur um 5 % zulegte. Die Titelauswahl war stark, aber auch unsere Absicherungsstrategie hat sich ausgezahlt.
Der Fonds enthält permanente Hedges, also Optionen, die bei Marktkorrekturen greifen. Im April beispielsweise war der Fonds nach 10–12 % Marktrückgang fast vollständig abgesichert. In diesem Jahr haben wir sogar mit den Hedges Gewinne erzielt – das ist selten.
18:49 – Jan Beckers
Im Normalfall kosten Hedges Rendite, aber wenn sie gut eingesetzt werden, können sie auch positiv beitragen. Außerdem ist das Portfolio breiter diversifiziert – geringere Volatilität, bessere Korrelationen zwischen den Titeln.
Das erste Jahr war exzellent, die Sharpe Ratio liegt bei etwa 1,9. Natürlich keine Garantie für die Zukunft, aber ein sehr guter Start.
20:07 – Christoph Damm
Du hast erwähnt, der Fonds ist breiter aufgestellt – also kein reiner Tech-Fonds?
20:20 – Jan Beckers
Genau. Es sind auch Titel wie JPMorgan enthalten, wenn wir sie technologisch gut aufgestellt sehen. Der Fokus bleibt auf Unternehmen, deren Zukunftstreiber wir verstehen – Technologie steht aber fast immer im Mittelpunkt.
21:03 – Christoph Damm
Zum Thema Absicherung: Das sind also Short-Derivate, die ihr je nach Marktlage anpasst?
21:13 – Jan Beckers
Ja, meist Optionen auf Indizes wie die Nasdaq. Wenn kaum jemand mit Korrekturen rechnet, sind sie günstig. Tritt dann ein Rückgang ein, steigen sie stark im Wert.
Man kann dann entscheiden, sie stehen zu lassen oder Gewinne mitzunehmen. Im April etwa war die Absicherung so effektiv, dass der Fonds an Tagen mit fallendem Markt sogar positiv abschloss.
23:30 – Christoph Damm
Die Titelauswahl läuft also weiterhin datenbasiert und über euer globales Analystenteam?
23:42 – Jan Beckers
Richtig. Wir nutzen denselben Research-Ansatz wie bei unseren anderen Fonds. Nur das Risikoprofil unterscheidet sich – durch die eingebaute Absicherung.
24:49 – Christoph Damm
War es euer Ziel, mit einem defensiven Produkt die Nasdaq zu schlagen?
24:57 – Jan Beckers
Das war kein Muss, aber natürlich erfreulich. Der Fonds ist nicht komplett defensiv – er schwankt mit dem Markt, nur eben weniger stark nach unten.
Langfristig peilen wir rund 15 % Rendite jährlich an, abzüglich Absicherungskosten. Und wenn wir weiterhin viele gute Alpha-Picks finden, könnten es auch mehr werden.
27:18 – Christoph Damm
Gut, dass wir über den Namen gesprochen haben – „Defensiv“ heißt also nicht „ohne Risiko“. Wer will, kann sich das Produkt ja auf eurer Website genauer anschauen.
Jan, vielen Dank für die Einblicke – zum Markt, zur KI und zu eurem Fonds.
27:45 – Jan Beckers
Sehr gern, Christoph.
27:47 – Christoph Damm
Und euch, liebe Hörerinnen und Hörer: Danke fürs Zuhören!

