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05.09.2024 ]

Fondsmanager Jan Beckers über Investments gegen den Trend: „Kaufen, wenn keiner die Aktie haben will”

Fondsmanager Jan Beckers über Investments gegen den Trend: „Kaufen, wenn keiner die Aktie haben will” Risiko-Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewähr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Es handelt sich hierbei nicht um Anlagevermittlung, Anlageberatung oder Ähnliches. Ihr entscheidet selbst, was ihr macht. Diese Transkription wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und zur besseren Verständlichkeit redaktionell leicht angepasst. Inhaltliche Abweichungen zum Original-Podcast sind möglich. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. 00:23 – Christoph DammBeckers Bets – der Investment-Podcast mit Jan Beckers.Hallo Jan. 00:35 – Jan BeckersHallo Christoph. 00:36 – Christoph DammIch könnte dich jetzt in Markus-Lanz-Manier fragen, wo ich dich erreiche – aber ich weiß ja, dass du in den USA unterwegs bist.Was steht an? Warum bist du dort? 00:47 – Jan BeckersGerne.Im September findet in San Francisco eine der wichtigsten Tech-Konferenzen für uns statt. Goldman Sachs lädt etwa 150 große und relevante Unternehmen ein – und wir können dort extrem effizient Meetings führen. Letztes Jahr haben wir auf dieser Konferenz zum Beispiel Grindr entdeckt und sind anschließend sehr intensiv in die Research gegangen.Die diesjährige Konferenz ist nächste Woche. Vorher bin ich noch in New York und treffe dort Unternehmen, in die wir investiert sind oder die wir uns anschauen.Und generell ist es gut, alle paar Monate in den USA zu sein, um mit anderen Investoren zu sprechen, Marktstimmungen aufzunehmen und mit frischen Eindrücken zurückzukommen. Nvidia – starke Zahlen, hohe Erwartungen 01:37 – Christoph DammLass uns über ein Unternehmen sprechen, das jeder kennt: Nvidia.Der Umsatz ist um 122 % gestiegen, das fünfte Quartal in Folge mit einer Verdopplung.Trotzdem war der Markt nicht wirklich begeistert – obwohl Nvidia j

00:23 – Christoph Damm
Beckers Bets – der Investment-Podcast mit Jan Beckers.
Hallo Jan.

00:35 – Jan Beckers
Hallo Christoph.

00:36 – Christoph Damm
Ich könnte dich jetzt in Markus-Lanz-Manier fragen, wo ich dich erreiche – aber ich weiß ja, dass du in den USA unterwegs bist.
Was steht an? Warum bist du dort?

00:47 – Jan Beckers
Gerne.
Im September findet in San Francisco eine der wichtigsten Tech-Konferenzen für uns statt. Goldman Sachs lädt etwa 150 große und relevante Unternehmen ein – und wir können dort extrem effizient Meetings führen.

Letztes Jahr haben wir auf dieser Konferenz zum Beispiel Grindr entdeckt und sind anschließend sehr intensiv in die Research gegangen.
Die diesjährige Konferenz ist nächste Woche.

Vorher bin ich noch in New York und treffe dort Unternehmen, in die wir investiert sind oder die wir uns anschauen.
Und generell ist es gut, alle paar Monate in den USA zu sein, um mit anderen Investoren zu sprechen, Marktstimmungen aufzunehmen und mit frischen Eindrücken zurückzukommen.

Nvidia – starke Zahlen, hohe Erwartungen

01:37 – Christoph Damm
Lass uns über ein Unternehmen sprechen, das jeder kennt: Nvidia.
Der Umsatz ist um 122 % gestiegen, das fünfte Quartal in Folge mit einer Verdopplung.
Trotzdem war der Markt nicht wirklich begeistert – obwohl Nvidia ja nicht nur KI-Highflyer, sondern stimmungsbestimmend für den ganzen Techsektor ist.
Wie ist euer Fazit?

02:14 – Jan Beckers
Wir fanden die Zahlen eigentlich gut.
Man wusste, dass es Verzögerungen bei den Blackwell-Lieferungen gibt – diese Umsätze kommen später.
Trotzdem haben sie es geschafft, den Umsatz von Quartal zu Quartal um etwa 16 % zu steigern. Das ist beeindruckend bei dieser Unternehmensgröße.

Auf der anderen Seite ist natürlich extrem viel Wachstum schon eingepreist.
Wenn ein Unternehmen über Jahre nur Superlative liefert, steigt die Messlatte ständig weiter.

Wir hatten Nvidia früher sehr groß im Portfolio, haben aber viele Gewinne realisiert.
Heute liegt die Position bei 1–2,5 % im Fonds – das ist für uns momentan angemessen.
Wir bleiben dabei und schauen, ob wir irgendwann wieder aufstocken oder weiter Gewinne mitnehmen.

Fragen an Jensen Huang

03:48 – Christoph Damm
Du bist bald auf Konferenzen in den USA.
Wenn Jensen Huang dort wäre – welche Fragen würdest du ihm stellen?

04:15 – Jan Beckers
Am spannendsten wäre für mich die Frage, wann wir die nächste Generation wirklich deutlich intelligenterer KI-Modelle erwarten können.
Er ist so vernetzt und nah an den Entwicklungen, dass er das vermutlich sehr gut einschätzen kann.

Das würde mich deutlich mehr interessieren als Detailfragen zum Nvidia-Geschäft.

Ist Nvidia ersetzbar?

04:46 – Christoph Damm
Ihr habt Nvidia reduziert. Viele sehen die Aktie trotzdem als die KI-Aktie.
Gibt es aus deiner Sicht inzwischen attraktivere Alternativen?

05:02 – Jan Beckers
Nvidia bleibt der zentrale Schaufellieferant für KI – das wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern.
Es ist eher eine Bewertungsfrage.

Wir schauen verstärkt auf Unternehmen, die stark von KI profitieren, aber nicht als KI-Unternehmen gelten:
– NuBank
– Duolingo
– andere Hidden Champions

Wir möchten dort investieren, wo Trends früh entstehen oder wo der Markt noch nicht hinschaut.

„Never catch a falling knife“ – manchmal doch

06:04 – Christoph Damm
Damit sind wir beim heutigen Fokus: Aktien, die schwächeln oder gegen den Trend laufen.
Oft heißt es: „Never catch a falling knife.“
Aber du sagst: manchmal kann es sich lohnen.
Wie findet man solche Chancen?

06:36 – Jan Beckers
Das ist keine Empfehlung, blind in fallende Aktien zu greifen.
Oft geht es weiter bergab.

Aber: Wenn man ein Unternehmen extrem gut kennt, eine eigene starke These hat und die Situation exakt einschätzen kann, kann ein Einstieg in solchen Phasen enorme Renditen bringen.

Beispiel Carvana:
Aktie von 300 $ auf 5 $ gefallen.
Alle dachten: insolvent.
Wir haben bei etwa 8 $ gekauft.
Heute steht sie bei rund 150 $.

Der Markt lag völlig daneben – wir hatten andere Daten, andere Einschätzungen und tiefes Verständnis.

So ein 15x in 18 Monaten ist selten – aber möglich.
Risiko bleibt hoch, deshalb sind solche Positionen bei uns eher klein, außer wir kennen ein Unternehmen extrem gut.

Carvana – warum ihr eingestiegen seid

09:44 – Christoph Damm
Carvana: Ein Gebrauchtwagenhändler, dessen Kurs nach Corona massiv eingebrochen ist.
Wie habt ihr erkannt, dass hier eine echte Turnaround-Chance besteht?

10:21 – Jan Beckers
Es waren viele Faktoren:

– Wir kannten das Unternehmen seit Jahren und hielten es für gut geführt.
– Der Gründer war extrem committed und hat eigenes Geld nachgeschossen.
– Die negative Marktstimmung war teilweise irrational.
– Wir hatten bessere Daten als viele Investoren.
– Das Chance-Risiko-Profil war extrem asymmetrisch:
Verlust = Einsatz
Upside = 10x, 20x, 30x

Auch Marktpsychologie spielt eine Rolle:
Viele Fondsmanager wollten Ende des Jahres nicht „blöd dastehen“ mit einer Aktie, die als pleitegefährdet gilt.
Dadurch gab es zusätzliche Abverkäufe – eine Chance für uns.

Lufax – China-Case mit Überraschung

13:53 – Christoph Damm
Ein ähnlicher Fall: Lufax in China.
Ein Finanzdienstleister mit Problemen – und ihr seid eingestiegen.
Warum?

14:08 – Jan Beckers
Wir kennen den Konsumentenkreditmarkt in China extrem gut.
Lufax hatte hohe Kreditausfälle, rutschte in starke Verluste und wurde an der Börse abgestraft.

Unser Research zeigte jedoch:

– Lufax hatte rund 10 Mrd. Dollar Eigenkapital, wurde aber mit unter 2 Mrd. bewertet.
– Die Verluste waren nicht so groß, dass das Eigenkapital schnell verbrannt wäre.
– Das Management war offen und hat nichts beschönigt.
– Der Turnaround war wahrscheinlich.

Als die Aktie bei ~2 Dollar lag, haben wir gekauft – und später tiefer nachgekauft.

Dann kam die positive Überraschung:

Eine Sonderdividende von 2,40 Dollar – höher als der Aktienkurs.
Der Kurs sprang sofort auf ~4,60 Dollar.

China allgemein

19:59 – Christoph Damm
Seid ihr weiterhin in China aktiv?

20:15 – Jan Beckers
Ja, aber in kleinen Allokationen.
Wir suchen dort gezielt Sondersituationen mit extremer Asymmetrie.
Wir arbeiten gerade an mehreren neuen Ideen.

HelloFresh – Turnaround-Möglichkeit

20:55 – Christoph Damm
Kommen wir zu HelloFresh.
Vom Allzeithoch über 90 % gefallen, mehrfach enttäuscht – und ihr seid eingestiegen.
Warum?

21:26 – Jan Beckers
Wir kannten HelloFresh schon vor der Pandemie und hatten die Aktie danach mit großem Gewinn verkauft.

Nach dem Einbruch im März – über 95 % vom Hoch – fanden wir die negative Marktstimmung übertrieben.

Wichtig war für uns:

– Weltmarktführer im Meal-Kit-Segment
– stark wachsend im Fertiggerichte-Geschäft (bald 2 Mrd. $ Umsatz)
– trotz Krise positives EBITDA
– Enterprise Value im Tief nur ~700 Mio. €, bei ~200 Mio. Net Cash
– Fundamentaldaten deutlich besser als der Aktienkurs suggerierte

Wir haben im Tief unter 4,50 € gekauft.

Jetzt steht die Aktie bei 6,50–7,50 € und wir glauben, dass der Markt das Potenzial des Fertiggerichte-Geschäfts noch stark unterschätzt.

Monero – ein untypischer Kryptocase

27:42 – Christoph Damm
Für alle, denen das noch nicht riskant genug war:
Du hast auch einen Krypto-Case, der ungewöhnlich ist.

28:03 – Jan Beckers
Ja – Monero (XMR).
Wir dürfen es nicht im Fonds kaufen, aber ich persönlich halte es für hochinteressant.

Die Grundthese:

– In der digitalen Welt wird es Bedarf für echtes „digitales Cash“ geben.
– Bitcoin ist vollständig transparent und damit kein Cash-Ersatz.
– Monero ist vollständig privat, nicht nachverfolgbar.

Früher gab es mehrere Privacy-Coins – heute hat nur Monero einen echten Track-Record.

Wenn sich digitales Cash durchsetzt, könnte die Upside extrem sein – 100x, 500x, 1000x über viele Jahre.
Natürlich kann Monero auch auf null gehen.
Aber die Asymmetrie ist außergewöhnlich.

Risiken, Delistings und Nutzung

34:48 – Jan Beckers
Monero wurde von Binance delistet – wahrscheinlich wegen regulatorischem Druck.
Weitere Delistings könnten folgen.
Der Kauf wird schwieriger, aber über dezentrale Börsen weiterhin möglich.

Privacy hat Vorteile und Schattenseiten – wie Bargeld.
Monero ist ein klassischer Out-of-Consensus-Case.

Wie sollte man als Privatanleger solche Chancen spielen?

37:57 – Christoph Damm
Wie sollte man als Privatanleger mit solchen riskanten Ideen umgehen?

38:19 – Jan Beckers
Mit sehr kleinen Positionen.
Und nur, wenn man eine starke eigene These hat.

Viele dieser Ideen fallen auf null.
Man braucht Wissen, Geduld und die Fähigkeit, starke Drawdowns auszuhalten.
Wer zu groß einsteigt, verkauft oft im schlechtesten Moment.

40:28 – Christoph Damm
Vielen Dank, Jan.

40:38 – Jan Beckers
Sehr gerne.

40:39 – Christoph Damm
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