Krypto-Experte Ha Duong: „Ethereum erlebt gerade seinen ChatGPT-Moment“

Krypto-Experte Ha Duong: „Ethereum erlebt gerade seinen ChatGPT-Moment“ Risiko-Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewähr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Es handelt sich hierbei nicht um Anlagevermittlung, Anlageberatung oder Ähnliches. Ihr entscheidet selbst, was ihr macht. Diese Transkription wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und zur besseren Verständlichkeit redaktionell leicht angepasst. Inhaltliche Abweichungen zum Original-Podcast sind möglich. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. 00:23 – Christoph DammHallo zu „Beckers Bets“, mein Name ist Christoph Damm, und diese Folge wird etwas anders als gewohnt. Kurzfristig hat Jan nämlich wichtige Termine dazwischen bekommen und kann heute bei dieser Ausgabe nicht dabei sein. Ihr bekommt aber natürlich trotzdem aktuelle Einschätzungen – vor allem zum Kryptosektor, aber auch zu den aktuellen Entwicklungen rund um die US-Notenbank. Dazu darf ich ganz herzlich begrüßen: den BIT-Capital-Kryptoexperten und Fondsmanager Ha Duong. Fangen wir direkt an mit Jerome Powell. Der hat ja Ende August in Jackson Hole die Märkte überrascht. Er hat klargemacht, dass eine Zinssenkung im September möglich ist. Wie sicher seid ihr denn, dass die jetzt auch wirklich kommt? 01:13 – Ha DuongWir sind ehrlicherweise – genauso wie Jerome Powell – weiterhin datenabhängig. Auch Powell hat gesagt, dass er sich nicht vorwegnehmen lassen möchte, dass jetzt die Zinssenkung kommt. Wir haben noch einige Makrodaten zwischen Jackson Hole und der Fed-Sitzung im September, die er abwarten wollte. Aber so wie momentan das Datenbild aussieht, gehen wir schon stark davon aus, dass die erste Kürzung kommen könnte. Zwischenzeitlich gab es sogar das Gerücht, dass 50 Basispunkte kommen könnten – das hielt ich für sehr unwahrscheinlich. Ich glaube aber gleichzeitig, dass ein m

00:23 – Christoph Damm
Hallo zu „Beckers Bets“, mein Name ist Christoph Damm, und diese Folge wird etwas anders als gewohnt. Kurzfristig hat Jan nämlich wichtige Termine dazwischen bekommen und kann heute bei dieser Ausgabe nicht dabei sein. Ihr bekommt aber natürlich trotzdem aktuelle Einschätzungen – vor allem zum Kryptosektor, aber auch zu den aktuellen Entwicklungen rund um die US-Notenbank. Dazu darf ich ganz herzlich begrüßen: den BIT-Capital-Kryptoexperten und Fondsmanager Ha Duong. Fangen wir direkt an mit Jerome Powell. Der hat ja Ende August in Jackson Hole die Märkte überrascht. Er hat klargemacht, dass eine Zinssenkung im September möglich ist. Wie sicher seid ihr denn, dass die jetzt auch wirklich kommt?
01:13 – Ha Duong
Wir sind ehrlicherweise – genauso wie Jerome Powell – weiterhin datenabhängig. Auch Powell hat gesagt, dass er sich nicht vorwegnehmen lassen möchte, dass jetzt die Zinssenkung kommt. Wir haben noch einige Makrodaten zwischen Jackson Hole und der Fed-Sitzung im September, die er abwarten wollte. Aber so wie momentan das Datenbild aussieht, gehen wir schon stark davon aus, dass die erste Kürzung kommen könnte. Zwischenzeitlich gab es sogar das Gerücht, dass 50 Basispunkte kommen könnten – das hielt ich für sehr unwahrscheinlich. Ich glaube aber gleichzeitig, dass ein möglicher Cut von 25 Basispunkten im September nicht der letzte dieses Jahr sein wird. Der Markt war vor allem überrascht vom Ton Powells. Die Überraschung kommt eher daher, dass der Markt einen zu „hawkishen“ Powell erwartet hatte und nicht unbedingt, dass Powell jetzt wirklich „dovish“ war. Für uns war es relativ „in line“ mit den Erwartungen, aber der Markt hatte ein schlimmeres Bild erwartet und konnte sich daher erholen.
02:17 – Christoph Damm
Man könnte raushören: Du rechnest nicht nur mit einer kurzfristigen Stimulierung der Märkte, sondern eher mit mehreren Zinssenkungen – also schon so etwas wie ein Paradigmenwechsel?
02:30 – Ha Duong
Einen Paradigmenwechsel würde ich das nicht nennen. Ich sehe eher auf das kommende Jahr und dort den Paradigmenwechsel – dazu gern gleich mehr. Momentan wäre laut dem Modell der Fed mehr als eine Zinssenkung gerechtfertigt, um auf ein neutrales Niveau zu kommen – also eine Geldpolitik, die weder besonders stimulierend noch restriktiv ist. Das sieht man letztlich auch im Dot Plot der Fed. Man muss verfolgen, wie die Fed-Mitglieder selbst darüber denken. Wir sind da nicht weit vom Konsens entfernt und sehen, dass das Potenzial für weitere Senkungen da ist.
03:09 – Christoph Damm
Jetzt kämpft die Fed aber nicht nur gegen Inflation oder einen schwächeren Arbeitsmarkt, sondern – so sagen es manche – auch gegen Donald Trump. Ich habe gelesen, der französische Vermögensverwalter La Financière de l’Echiquier hat einen Vergleich gezogen und sagt, die Fed werde immer ähnlicher dem gallischen Dorf aus den Asterix-Comics – Powell wäre dann Asterix, Donald Trump Julius Cäsar. Seht ihr das auch so dramatisch? Kämpft Powell gegen Windmühlen?
03:34 – Ha Duong
Ich bin nicht so versiert in Asterix-Analogien, aber die Angriffe von Trump – nicht nur gegen Powell, sondern auch gegen Personen wie Lisa Cook, gegen die Fed als Institution und gegen das rechtliche Rahmenwerk – das ist wahrscheinlich genau der Paradigmenwechsel, den wir vorhin angesprochen haben. Man könnte insgesamt auf die Fed dieses Jahr schauen und sagen: Ob die Fed ein, zwei oder drei Mal die Zinsen senkt, ist das kleinere Thema. Das größere Thema ist die Fed-Unabhängigkeit ab dem zweiten Quartal nächsten Jahres, wenn Powell zurücktritt und ein neuer Fed-Chair von Trump ernannt wird. Möglicherweise werden weitere vakante Sitze mit Trump-Anhängern besetzt, falls z. B. Lisa Cook geht. Das Thema Fed-Unabhängigkeit ist sehr wichtig für die Märkte. Man sieht es am schwächeren US-Dollar, an steigenden Zinsen am langen Ende der Kurve: Das Risk-Premium wird wieder eingepreist. Assets wie Gold oder Bitcoin profitieren von dem Narrativ, weil in Zeiten wachsenden Zweifels an der Unabhängigkeit der US-Zentralbank solche „US-unabhängigen“ Bar-Assets profitieren können. Das sind mittel- bis langfristige Themen, die wohl stärker wirken als 1–3 Zinssenkungen dieses Jahr.
05:02 – Christoph Damm
Wenn die Trump-nahe Fed die Zinsen sehr schnell senkt oder sehr lange sehr niedrig hält – heißt das nicht, dass man langfristig wieder ein Inflationsproblem in den USA bekommt?
05:13 – Ha Duong
Das wird sehr relevant – wahrscheinlich ab der zweiten Jahreshälfte des nächsten Jahres. Bis es so weit ist, sehen wir ein sehr förderliches Marktumfeld. Aber ich mache mir schon Gedanken, wie es in einem Jahr aussehen könnte. Wenn Regierung und Fed das Narrativ über Inflation und den Bond-Markt am langen Ende der Kurve verlieren und die Kontrolle nicht behalten können, muss man schauen, wie Märkte darauf reagieren. Dann könnten stärkere Effekte auftreten. Es gibt Diskussionen über Maßnahmen wie Yield-Curve-Control – wie in Japan. Falls das Treasury die Kontrolle über das lange Ende verliert, müsste man darüber nachdenken – aber noch nicht jetzt. Ich hoffe persönlich, dass wir nicht dort hineinlaufen. Falls doch, sollte auch Bitcoin wieder profitieren.
06:15 – Christoph Damm
Steigende Inflation ist ja klassisch ein Umfeld für Gold – oder eben Bitcoin. Bevor wir gleich konkreter zum Kryptomarkt kommen, noch eine Frage: Die US-Strafzölle haben die Börsen immer wieder beschäftigt. Jetzt gibt es erste Urteile. Ein Gericht sagt: Ein Großteil dieser neuen Zölle ist rechtswidrig. Was heißt das für die US-Wirtschaft und die Finanzmärkte?
06:39 – Ha Duong
Das entwickelt sich in Echtzeit. Trump hat sich des Emergency Act bedient – ein Instrument, das typischerweise nur in Extremfällen genutzt werden sollte, etwa für Sanktionen. Er hat es als universelles Mittel genutzt, um Zölle zu verhängen – weltweit. Eine Bedingung war „extraordinary circumstances“ – Notfallsituationen. Wenn man aber die ganze Welt mit neuen Zöllen belegt, jeden einzelnen Handel der letzten 20 Jahre – inwiefern ist das noch „extraordinary“? Genau das ist ein Grund, warum das Gericht geurteilt hat, dass es nicht rechtens war. Es ist davon auszugehen, dass Trump andere Wege versuchen wird, ähnlich hohe Zölle einzuführen – etwa sektorbezogene Zölle mit anderem Rechtsrahmen. Bis es so weit ist, haben wir Unsicherheit im Markt – gleich mehrfach. Unternehmen, die sieben Monate lang Zölle gezahlt haben, könnten Rückforderungen stellen. Die USA müssten das prüfen und zurückzahlen – Geld fließt aus der Staatskasse. Fiskalpolitik ist ein großes Thema. Zusammen mit dem „One Big Beautiful Bill“-Act wirkt das ohne die Zollthematik stark stimulierend. Das hieße: große Fiskaldefizite, mehr Staatsverschuldung – wiederum ein gutes Umfeld für Gold und Bitcoin. Auf Unternehmens- und Wirtschaftsebene heißt das: Unternehmen können momentan schwer planen. Bleiben die Zölle mittelfristig? Kommen neue? Oder gar keine? Das ist kein Umfeld für Investitionsentscheidungen mit fünf Jahren Horizont. Diese Unsicherheit wird sich mittelfristig auswirken, belastet die Märkte aktuell aber noch nicht stark.
09:09 – Christoph Damm
Noch nicht – aber man hatte gehofft, das Chaos sei vorbei, wenn Fristen ablaufen, Zölle in Kraft sind oder nicht und Deals geschlossen werden. Es sieht nicht nach Stabilität aus. Damit zum Stichwort: Von Stabilität zu Stablecoins ist es nicht weit – so der Schwenk zu Krypto. Wir haben im Juni länger über Stablecoins gesprochen. Seither haben sie an Bedeutung gewonnen. Noch nie war so viel Kapital in Stablecoins wie heute. Mehr als 280 Mrd. US-Dollar waren es am Mittwoch. Hält der Trend an?
09:47 – Ha Duong
Das wird sehr wahrscheinlich weiter anhalten. Seit unserem letzten Update im Juni wurde unter anderem am 18.07. der „Genius Act“ verabschiedet. Weltweit gibt es regulatorische Initiativen – in Europa MiCA, in Hongkong ein eigenes Stablecoin-Gesetz. Unternehmen bauen eigene Stablecoin-Projekte – Tech-Firmen wie Amazon, Financials wie JPMorgan oder Visa. Stablecoins sind eine Brücke zwischen TradFi und Krypto und helfen, Transaktionen effizienter zu gestalten – vor allem im Middle- bis Backoffice: Automatisierung, geringere Transaktionskosten, weniger Mittelsmänner. Politisch gibt es Rückenwind: Wir hatten das Thema US-Staatsverschuldung. Stablecoins sind rechtlich gezwungen, in Staatsanleihen zu investieren. Wenn ausländische Käufer wegbrechen – etwa China –, werden Stablecoin-Anbieter ein gefragter neuer Käufer dieser Anleihen.
11:30 – Christoph Damm
Wie groß ist der Effekt der Staatsanleihenkäufe? Drückt das die Rendite bereits – oder ist das Volumen noch zu klein?
11:40 – Ha Duong
Momentan eher klein, aber Tether sagt selbst, dass man Ende des Jahrzehnts einen 3-Billionen-US-Dollar-Stablecoin-Markt sehen könnte. Wenn wir eine Verzehnfachung sehen, wird der Impact gewaltig. Ich frage mich allerdings: Stablecoins investieren derzeit vor allem am kurzen Ende der Kurve – wie sollen damit die Zinsen am langen Ende gedrückt werden? Sicherlich gibt es Überlegungen dazu, aber es ist nicht trivial.
12:14 – Christoph Damm
Die zwei Großen sind USDT und USDC. Sind die mittlerweile „too big to fail“ und werden immer stärker – oder haben neue Player noch Chancen?
12:32 – Ha Duong
Die Netzwerkeffekte sind sehr stark. Wenn du einen eigenen Stablecoin launchst und niemand nutzt oder integriert ihn, bringt das nichts. USDT punktet mit Exchange-Anbindungen, vor allem in Asien, wo es als Dollar-Ersatz für Krypto-Handel dient. USDC ist stark im DeFi-Ökosystem – bevorzugte Währung für vielfältige On-Chain-Finanztransaktionen. Wir hoffen, dass der Markt über die Krypto-Use-Cases hinaus stark wächst. In dieser Welt können neue Anbieter kommen – wenn z. B. JPMorgan einen Stablecoin herausbringt. JPMorgan ist der größte Treasury-Management-Anbieter weltweit – enorme Distributionskraft. Das wird Zeit brauchen. Mittel- bis langfristig sehe ich viel Potenzial und Chancen für neue Provider. Kurz- bis mittelfristig treibt aber Krypto selbst – sodass Tether und USDC wohl weiter Momentum haben.
14:08 – Christoph Damm
Und die neuen Player wären dann vermutlich US-Player? Wir haben den „Genius Act“, der Einsatz und Akzeptanz von Stablecoins im Finanzsystem fördern soll. Die EZB will einen digitalen Euro beschleunigen – das sagt sie seit Jahren.
14:25 – Ha Duong
Stimmt. Es ist schwieriger, einen digitalen Euro auf Ebene der EZB durchzusetzen. Ein Stablecoin in den USA ist privates Geld – eine US-Finanzinstitution kann ihn emittieren, ohne Zustimmung der Fed. In Europa wäre es zentralisiert – höherer Koordinationsaufwand. Wir sehen in der EU, dass Koordination zwischen vielen heterogenen Stakeholdern nicht immer leicht ist. Ich schaue gespannt, bin aber skeptisch, dass Europa etwas mit der Tragweite von USDC/USDT launcht.
15:12 – Christoph Damm
Also einen Euro-Stablecoin, abhängig von der EZB, siehst du eher nicht?
15:16 – Ha Duong
Das wäre nicht das Gleiche wie ein Stablecoin, sondern eine CBDC. Euro-Stablecoins gibt es bereits – etwa „Euro-C“ von Circle. Wird nur kaum genutzt, weil außerhalb Europas die Welt lieber in US-Dollar denkt. Bis der Euro Welt-Reservewährung wird, ist eine große Lücke – und ich gehe nicht davon aus. Die Welt bleibt US-Dollar-denominiert, also haben Dollar-Stablecoins mehr Momentum.
15:58 – Christoph Damm
Viel Momentum gibt es auch bei Ethereum. Ende August gab es ein neues All-Time-High, fast 5.000 US-Dollar. Spannend ist, dass Kapital aus Richtung Bitcoin in Ether gewandert ist. Ein Bitcoin-Wal hat im August Bitcoins im Wert von fast 3 Mrd. US-Dollar teilweise in Ether umgewandelt. Was steckt hinter dem Ether-Boom? Nachhaltige Rotation raus aus Bitcoin?
16:27 – Ha Duong
Ich finde das nachhaltig. Es gibt mehrere Gründe. Typisch im Marktzyklus zeigt erst Bitcoin Stärke, danach Ethereum und kleinere Coins. Wir sind eher in den späteren Teilen eines Bullenmarkts. Viele Altcoins inkl. Ethereum hinkten Bitcoin in den letzten zwei, drei Jahren hinterher – es gibt Aufholpotenzial. Zu den Flows: Der genannte „Whale“ hat über Hyperliquid on-chain sehr transparent ca. 2,7 Mrd. US-Dollar an Bitcoin verkauft, um Ether zu kaufen – das prägt das Narrativ. Die ETF-Flows: Im August negative Bitcoin-ETF-Flows, dafür sehr starke bei Ethereum – Rekordzahlen bei Zuflüssen und AUM. Zusätzlich Ethereum-Treasury-Unternehmen – analog zu MicroStrategy bei Bitcoin –, die Ether akkumulieren. Technisch: Das Pectra-Upgrade verbesserte Usability/Scalability, das Gas-Limit wurde erhöht (größere Blöcke, günstigere Transaktionen). Strategisch: Die Ethereum-Foundation agiert pragmatischer, marktnäher. All das verleiht dem Ökosystem neuen Schwung.
18:43 – Christoph Damm
Vor Jahren gab es schon die Diskussion, ob Ethereum mal die Nummer eins werden und Bitcoin ablösen könnte – wegen der Anwendungsvielfalt. Müssen wir die Schublade wieder aufmachen? Kommt die Frage „Flippening“ zurück?
19:05 – Ha Duong
Die Frage wird immer wieder kommen – ausschließen würde ich es nicht. Es sind sehr unterschiedliche Assets. Ethereum ist eine Technologieplattform – das Investment ähnelt eher einem Tech-Play. Man vergleicht auch nicht Gold mit Google. Unterschiedliche Rollen im Portfolio. Bitcoin entwickelt sich zu digitalem Gold – Potenzial, Gold einzuholen, wäre ~10x. Bei Ethereum ist das Potenzial, dass eines Tages ein großer Teil der globalen Finanzassets (Tokenisierung, RWAs) auf Ethereum lebt. Größerer Markt, aber andere Art. Die Execution ist riskanter. Momentan sieht man das Momentum bei Ethereum, weil Stablecoins so etwas wie der „ChatGPT-Moment“ für Ethereum sind: Wie Nvidia als Infrastrukturanbieter vom AI-Boom profitierte, ist Ethereum die Infrastruktur für Stablecoins und RWAs – mit riesigem Marktpotenzial.
20:41 – Christoph Damm
Diesen Blick teilen auch Unternehmen: Es gibt den Trend, dass Firmen Ether direkt in die Kasse legen. Von Bitcoin kennen wir MicroStrategy; jetzt machen es Firmen wie Bitmine oder Shaplink (Beispiele) mit Ether. Wie sinnvoll ist das?
21:02 – Ha Duong
Sinnvoll für wen? Für Insider oft sehr sinnvoll – Vergütungspakete etc. Tom Lee (Chairman von Bitmine) hat ein hohes Package. Für den größeren Markt war ich früher skeptischer. 2022 vermuteten manche, MicroStrategy könnte liquidiert werden angesichts Schulden und Margin-Risiken. Inzwischen strukturieren die Firmen klüger – Schulden ohne Recourse, keine Bitcoin-besicherten Anleihen, die man notverkaufen müsste. Das systemische Risiko ist geringer. Kurzfristig helfen solche Firmen dem Markt, weil sie Netto-Käufer sind. MicroStrategy hat kaum verkauft; Bitmine/Shaplink haben bisher nie Ether verkauft. Diese Firmen sind quasi One-Way-Streets zum Kaufen – während ETFs Käufe und Rückgaben haben. Zudem demonstrieren börsennotierte Firmen, dass Ether ein produktives Asset ist: Staking, DeFi, Yields. So bringt man Ethereum Wall Street näher – aktuell sehr positiv.
23:26 – Christoph Damm
Bleiben wir bei Kryptofirmen, schauen aber auf Mining-Unternehmen. Die verdienen nicht mehr nur mit Bitcoin-Mining, sondern auch mit Rechenzentren. Es gab spannende Entwicklungen: TeraWulf mit FluidStack und Google – Hosting-Verträge über Milliarden. Ein anderer Gewinner ist IREN (ehemals Iris Energy), stark in GPUs investiert und als AI-Partner positioniert. Wie bewertest du den TeraWulf-Deal – ein Leuchtturmprojekt?
24:09 – Ha Duong
Ich sehe das als 0-to-1-Moment. Der erste war Mitte letzten Jahres, als Core Scientific mit CoreWeave einen Vertrag schloss und zeigte, dass Miner-Infrastruktur für AI nutzbar ist. Offen war, ob die größten Hyperscaler – die größten Capex-Akteure – mit Bitcoin-Minern arbeiten. Mit TeraWulf/FluidStack/Google haben wir ein klares Ja: Ein 10-Jahres-Deal im Wert von fast 7 Mrd. US-Dollar, Google backstopt die Hälfte, falls FluidStack insolvent würde. Google erhält Optionen auf TeraWulf-Anteile – also auch Kapitalbeteiligungsexposure. Das öffnet die Tür für weitere ähnliche Deals. Diese Deals sind lukrativ: Faustformel – 1 MW Co-Location-Kapazität kann ca. 1 Mio. US-Dollar EBITDA p. a. generieren; Datacenter werden mit dem 15- bis 25-fachen EBITDA bewertet. In diesem Fall 360 MW für FluidStack/TeraWulf; für IREN könnten es Gigawatt sein – gewaltiges Upside. Schön zu sehen, dass der Markt das in den letzten 4–6 Wochen belohnt hat.
26:07 – Christoph Damm
Ist das eine Win-Win-Win-Situation – oder gibt’s Haken?
26:18 – Ha Duong
Wäre es das nicht, kämen diese Deals nicht zustande. Google will mehr Datacenter-Kapazität – nicht nur für Nvidias GPUs, auch für TPUs. Hyperscaler fahren meist 50/50 Build vs. Buy. Der Engpass ist Strom: Gigawatt neue Kapazität in fünf Jahren – in den USA derzeit schwierig. Es fehlt nicht nur Erzeugung, sondern auch Transmission. Unternehmen, die sich günstige Energieressourcen gesichert haben – z. B. Bitcoin-Miner –, sind gut positioniert, diese Energie für AI zu repurposen. Firmen wie FluidStack oder CoreWeave sind wachstumsorientiert und brauchen Verträge mit Hyperscalern und Infrastruktur-Anbietern. CoreWeave ist dieses Jahr an die Börse gegangen; größter Engpass fürs Wachstum ist Energie. Ohne die Energieressourcen der Miner wird die weitere Skalierung von KI schwieriger.
27:52 – Christoph Damm
Es gibt viele Mining-Aktien. Einfach irgendeine zu kaufen in der Hoffnung auf so einen Deal ist wohl nicht die richtige Strategie. Wie findet ihr die richtigen? Welche Kennzahlen oder Methoden sind für euch wichtig?
28:11 – Ha Duong
Es geht um die Energieengpässe. Man sucht Unternehmen, die große Energiemengen zu guten Konditionen gesichert haben – idealerweise Hunderte MW bis Gigawatt. Im Kern sind es Infrastrukturentwickler. Man braucht ein vertrauenswürdiges Management mit Datacenter-Erfahrung, das Multi-Milliarden-Projekte termintreu und auf Hyperscaler-Niveau umsetzt. Also qualitative Faktoren (Team, Assets, Execution) genauso wie quantitative. Bei IREN kennen wir das Team seit 3–4 Jahren, sind lange investiert – schon bevor Co-Location „heiß“ war. Wir gehen teilweise vor Ort, schauen uns Rechenzentren an, sprechen nicht nur mit dem Top-Management, sondern auch mit dem mittleren Management. Es ist die Gesamtbetrachtung.
29:41 – Christoph Damm
Kurz zu IREN: Auf Jahressicht hat sich die Aktie mehr als verdreifacht. Ihr seid lange dabei – bleibt ihr auch dabei?
29:50 – Ha Duong
Auf jeden Fall. Der Markt hat IREN bereits „re-rated“, aber das Potenzial ist nicht erschöpft. IREN hat mehrere Wachstumspfade – ein „Basket of Options“. Momentan erwirtschaftet das Unternehmen etwa 1 Mrd. US-Dollar Umsatz durch Bitcoin-Mining – damit quasi der größte Miner nach wirtschaftlicher Größe, nicht zwingend nach operativen Kennzahlen – und das sehr kosteneffizient, im Vergleich zu z. B. Marathon. Zusätzlich Infrastrukturprojekte über Co-Location wie bei TeraWulf. Optionalität: IREN kann selbst als „Neocloud“-Provider auftreten. Bei den letzten Earnings hat IREN zusätzliche Nvidia-GPUs angekündigt, u. a. GB300 (neueste Generation) – schwer zu bekommen. IREN ist Nvidia-Preferred-Partner. Der Markt ist früh – Firmen wie CoreWeave sind entstanden, haben ~470 MW aktiv und hohe Bewertungen. IREN könnte potenziell bis zu 3 GW für GPUs nutzen – also mindestens so groß wie CoreWeave werden, wenn nicht größer. Upside ist da. Am Ende ist es ein Execution-Game – und die Execution überzeugt uns seit Jahren.
31:40 – Christoph Damm
Für alle, die selbst die richtigen „Pferde“ suchen: Das Doppel-Play aus Krypto und KI bleibt bei Mining-Aktien wohl das spannendste Thema.
31:49 – Ha Duong
Ja, aber es gibt immer potenzielle Rückschläge. Eine Aktie, die sich so schnell so positiv entwickelt hat, kann jederzeit 30–40 % fallen – typische Volatilität. Execution-Risiken habe ich angesprochen. Wer investiert, sollte den Nutzen der Energie- und Infrastrukturressourcen erkennen – das ist der klare Engpass, der bedient werden kann.
32:23 – Christoph Damm
Das klassische Krypto-Mining haben wir kaum besprochen. Spielt es für eure Titelauswahl noch eine Rolle?
32:31 – Ha Duong
Bei IREN schon. Das Unternehmen ist ein profitabler Bitcoin-Miner. Operative Cashflows können mit zur Finanzierung der Datacenter-Projekte und GPU-Käufe genutzt werden. Die meisten anderen Miner konnten dieses Quartal kaum Gewinne zeigen – höhere Kosten, ältere Chips. IREN steht da weit vorne. Die Dominanz im Mining-Geschäft treibt zusätzlich unsere Überzeugung.
33:07 – Christoph Damm
Sehr spannendes Update aus dem Krypto-Bereich. Vielen Dank, Ha Duong, für die Einschätzungen, und einen schönen Tag!
33:13 – Ha Duong
Danke, dir auch!

