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03.10.2024 ]

Mutige FED und Initialzündung für China-Aktien - Jan Beckers im Beckers-Bets-Podcast

Mutige FED und Initialzündung für China-Aktien - Jan Beckers im Beckers-Bets-Podcast Risiko-Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewähr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Es handelt sich hierbei nicht um Anlagevermittlung, Anlageberatung oder Ähnliches. Ihr entscheidet selbst, was ihr macht. Diese Transkription wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und zur besseren Verständlichkeit redaktionell leicht angepasst. Inhaltliche Abweichungen zum Original-Podcast sind möglich. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. 00:23 – Christoph DammBeckers Bets, der Investment-Podcast mit Jan Beckers. Hallo Jan. 00:35 – Jan BeckersHallo Christoph! 00:37 – Christoph DammJa, in diesem Monat kann es ja quasi nur ein übergeordnetes Thema geben, das wir unbedingt besprechen müssen: die Aktionen der Notenbanken.Zum einen haben wir die Fed – die hat gleich um 0,5 Prozentpunkte den Leitzins gesenkt. Und auch in China ist einiges passiert. Da hat uns auch ein Hörer geschrieben, Markus, der wollte unbedingt mal eine Diskussion zu dem Thema haben, mit einem speziellen Blickwinkel. Dazu komme ich später nochmal. Und wir diskutieren das heute nicht alleine: Wir haben einen zusätzlichen Gesprächspartner dabei – das ist Marcel Oldenkott, Geschäftsführer von BIT Capital, gleichzeitig auch Co-CIO. Er ist also dein Kollege, Jan, beim Investieren und beim Depotverwalten. Erstmal: Hallo Marcel. 00:59 – Marcel OldenkottHallo Christoph, hallo Jan. Vielleicht kurz zu mir: Du hast es schon gesagt, ich bin Co-Chief Investment Officer, das heißt, ich kümmere mich zusammen mit Jan um die Portfolios. Ich bin aber kein klassischen Aktienanalyst, sondern Ökonom. Ich betrachte viele Themen aus einer Top-down-Perspektive – also Makro-Research, Sektor- und Faktor-Research. Alles, was unsere Unternehmen aus Makro- und Marktsicht bewegt. A

00:23 – Christoph Damm
Beckers Bets, der Investment-Podcast mit Jan Beckers. Hallo Jan.

00:35 – Jan Beckers
Hallo Christoph!

00:37 – Christoph Damm
Ja, in diesem Monat kann es ja quasi nur ein übergeordnetes Thema geben, das wir unbedingt besprechen müssen: die Aktionen der Notenbanken.
Zum einen haben wir die Fed – die hat gleich um 0,5 Prozentpunkte den Leitzins gesenkt. Und auch in China ist einiges passiert.

Da hat uns auch ein Hörer geschrieben, Markus, der wollte unbedingt mal eine Diskussion zu dem Thema haben, mit einem speziellen Blickwinkel. Dazu komme ich später nochmal. Und wir diskutieren das heute nicht alleine:

Wir haben einen zusätzlichen Gesprächspartner dabei – das ist Marcel Oldenkott, Geschäftsführer von BIT Capital, gleichzeitig auch Co-CIO. Er ist also dein Kollege, Jan, beim Investieren und beim Depotverwalten.

Erstmal: Hallo Marcel.

00:59 – Marcel Oldenkott
Hallo Christoph, hallo Jan.

Vielleicht kurz zu mir: Du hast es schon gesagt, ich bin Co-Chief Investment Officer, das heißt, ich kümmere mich zusammen mit Jan um die Portfolios. Ich bin aber kein klassischen Aktienanalyst, sondern Ökonom.

Ich betrachte viele Themen aus einer Top-down-Perspektive – also Makro-Research, Sektor- und Faktor-Research. Alles, was unsere Unternehmen aus Makro- und Marktsicht bewegt.

Außerdem verantworte ich bei uns die Teams für alternative Datenanalyse:
– das Data-Engineering-Team
– und die Teams, die quantitative Analysen über die Daten, die wir finden und laden, fahren.

Also ein breites Spektrum. Heute sprechen wir vor allem aus der Makro-Perspektive, dafür bin ich hier.

02:10 – Christoph Damm
Fangen wir direkt an, Marcel:
Die Fed hat den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. In der Öffentlichkeit hieß es: „Das war ganz schön aggressiv“, viele hatten nur mit 0,25 gerechnet.

Geht es der Wirtschaft wirklich gut genug für so einen großen Zinsschritt? Und welche Daten sind deiner Meinung nach momentan ausschlaggebend für die Fed? Ist es nur die Inflation?

02:32 – Marcel Oldenkott
Ich würde sagen, es ist immer weniger die Inflation. Das hat Jerome Powell nicht nur in der letzten, sondern auch schon in der vorletzten Pressekonferenz relativ klar gemacht.

Die größere Sorge ist der Arbeitsmarkt.
Die Frage war also weniger: „Ist die US-Wirtschaft stark genug, um 50 Basispunkte zu verkraften?“
Sondern eher: „Ist der Arbeitsmarkt eventuell schon zu schwach – und will man als Fed nicht wieder hinter der Kurve herlaufen?“

Beim Anheben der Zinsen waren sie damals zu spät – sie haben die Transmissionseffekte der Güterinflation unterschätzt. Diesmal wollen sie nicht noch einmal zu spät reagieren.

03:25 – Marcel Oldenkott
Jetzt möchten sie eben nicht hinter der Kurve sein. Deshalb war das aus meiner Sicht kein „aggressiver“, sondern ein mutiger Schritt.

Viele FOMC-Mitglieder gehen davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt deutlich abschwächen könnte – bis hin zur Rezessionsgefahr. Deswegen hat man proaktiv stärker gesenkt, als der Konsens erwartet hat.

Man will weg vom reinen Reagieren hin zum Agieren – also „vor der Kurve“ sein.

Dazu passt auch der sogenannte Dot Plot:
Jedes Mitglied gibt eine Zinsprognose für die nächsten 6, 12, 24 Monate und einen Langfristzins ab. Aus diesen Punkten wird ein Median gebildet – und der signalisiert für die nächsten 6 Monate weitere Zinssenkungen von über 100 Basispunkten, inklusive zwei zusätzlicher Senkungen (entweder 2 × 25 oder noch einmal 50 Basispunkte) in diesem Jahr.

Der Zinsmarkt hat das in den USA auch so eingepreist. Das war also nicht nur ein einmaliger Schritt, sondern auch eine klare Forward Guidance: Die Fed ist bereit, noch deutlich weiter zu senken.

04:42 – Marcel Oldenkott
Das lässt sich auch theoretisch gut begründen:
Die Kerninflation (nach PCE, also dem von der Fed bevorzugten Maß) liegt inzwischen unter 3 %. Der Leitzins lag davor bei 5,25 %.

Dieser Abstand von über 200 Basispunkten ist extrem restriktiv.
Die Fed will aber kein dauerhaft restriktives Umfeld, das zwangsläufig in eine Rezession führt, sondern ein Gleichgewicht.

Deshalb war es logisch, den Leitzins näher an die Kerninflation heranzuführen. Powell hat außerdem bestätigt, dass er in diesem Jahr noch zwei Zinssenkungen à 25 Basispunkte erwartet – und wir sind jetzt schon im Oktober, das heißt, das geht relativ schnell.

06:17 – Christoph Damm
Jan, auch wenn man kein Volkswirt ist, weiß man: Niedrige Leitzinsen sind in der Regel gut für die Aktienmärkte.

Die Risikobereitschaft steigt, festverzinsliche Papiere werfen weniger Rendite ab – das sollte euch als Aktienfonds-Anbieter gefallen, wenn wieder mehr Geld in den Markt fließt, oder?

06:32 – Jan Beckers
Grundsätzlich haben wir uns über die Zinssenkung gefreut – und darüber, dass wahrscheinlich weitere folgen. Das ist erstmal ein Rückenwind, insbesondere für Tech-Aktien.

Aber: Für unser Portfolio hat das keine große strategische Änderung bedeutet.
Wir waren vorher schon primär in Unternehmen investiert, die:

  • sehr schnell wachsen – im Schnitt 35–40 % Umsatzwachstum p. a.
  • gleichzeitig profitabel sind

Und dabei bleiben wir.

Wir gehen aber davon aus, dass die Zinssenkungen zusätzliche Impulse liefern werden. Insgesamt ist es positiv, dass sich die Zinskurve wieder nach unten bewegt.
Für uns ist nicht entscheidend, wann genau welcher Schritt kommt, sondern dass wir über die nächsten 12–24 Monate ein freundlicheres Zinsumfeld haben.

07:31 – Christoph Damm
Du hast gerade gesagt, es wird weitere Impulse geben.
Was sind das für Impulse, auf die du achtest – und auf die Anleger achten sollten?

07:38 – Jan Beckers
Zum einen natürlich Impulse für die Kapitalmärkte insgesamt.

Menschen, die Geld in festverzinslichen Papieren oder auf dem Sparkonto geparkt haben, werden sich das neu überlegen, wenn es statt 4–5 % bald vielleicht nur noch 2–3 % gibt – oder in Europa noch weniger, je nach Konjunkturschwäche.

Das sorgt erfahrungsgemäß dafür, dass mehr Kapital in Aktien fließt – und insbesondere in Wachstums- und Tech-Aktien.

Tech-Aktien sind vereinfacht gesagt „Duration-Assets“:
Ein Großteil der erwarteten Cashflows liegt in der Zukunft, deshalb profitieren sie besonders von fallenden Zinsen.

08:34 – Christoph Damm
Am Portfolio selbst hat sich also nichts geändert. Unser Hörer Markus hatte aber eine konkrete Frage:

Er wollte wissen, ob sich durch die Zinssenkung in den USA – und die erwartete Marschrichtung der Fed – deine Erwartungen an das Portfolio für dieses und nächstes Jahr verändert haben.

08:54 – Jan Beckers
Nicht wesentlich.

Unsere Unternehmen sind in Summe sehr gesund. Sie haben es geschafft, in den letzten ein bis zwei schwierigen Jahren trotz schwacher Konjunktur stark zu wachsen.

Im Portfolio selbst wird es natürlich immer mal wieder selektive Anpassungen geben – etwa, dass wir vereinzelt Unternehmen aufnehmen, die heute noch unprofitabel sind, aber in absehbarer Zeit profitabel werden können.

Unser grundsätzlicher Ansatz hat sich aber bewährt:
– Wachstumsstark
– Profitabel
– Bewertungsdisziplin
– und eine breite, internationale Aufstellung

Wir haben außerdem viele spannende Unternehmen außerhalb der USA gefunden – unter anderem in China und Schwellenländern wie Brasilien –, die gleichzeitig wachstumsstark und günstig bewertet sind.

Dadurch fühlen wir uns international gut balanciert.

10:24 – Christoph Damm
Kleiner Spoiler: China wird gleich nochmal ein größeres Thema.

Zunächst bleiben wir noch kurz in den USA. Marcel, wäre es aus Fed-Sicht nicht auch eine Option gewesen, langsamer zu senken, um im Krisenfall noch „Pfeile im Köcher“ zu haben?

10:41 – Marcel Oldenkott
Das ist natürlich eine Variante, aber auch bei 100–150 Basispunkten Senkung von hier aus hat die Fed noch genügend Munition.

Wir reden ja nicht davon, von 1 % auf –0,5 % zu gehen, sondern von über 5 % auf rund 4 %.
In einer echten Rezession bliebe die Option, nochmals deutlich zu senken, weiterhin bestehen.

Dazu kommen weitere Instrumente wie:
– Quantitative Easing
– Steuerung der Zinskurve
– gezielte Programme zur Liquiditätsversorgung

Der Köcher ist selbst bei 150 Basispunkten weniger noch lange nicht leer.

Die Idee ist eher:
Durch proaktives Senken eine Rezession verhindern, statt hinterher in einer Krise extrem senken zu müssen.

11:46 – Christoph Damm
Wir hatten ja schon Situationen mit Null- und Negativzinsen – etwa in der Corona-Zeit. Glaubst du, dass wir so etwas noch einmal erleben werden? Und kann man im Rückblick sagen: „Das war richtig“ oder „Das war falsch“?

11:59 – Marcel Oldenkott
Die „Zero Interest Rate Policy“ (ZIRP) ist ja nicht neu, Japan war da früh dran – nach der Immobilienkrise in den 90ern.

Fed und EZB haben dieses Instrument in einer Phase eingesetzt, in der eher die Gefahr einer Deflation bestand – also fallende Preise.

In dieser Situation war es aus meiner Sicht richtig, alle monetären Instrumente auszuschöpfen:
– Nullzinsen
– QE
– verschiedene Refinanzierungsprogramme

Gerade die USA sind aus der Finanzkrise sehr gestärkt hervorgegangen – auch, weil die Fed damals sehr konsequent gehandelt hat.

13:08 – Christoph Damm
Schauen wir auf die andere Seite der Welt.
Es gab auch von der chinesischen Notenbank Zinssenkungen und Konjunkturprogramme.

Früher hieß es oft: „China ist der Wachstumsmotor der Welt.“
Gilt das noch, wird es wieder so sein – oder muss man diesen Satz überdenken?

13:28 – Marcel Oldenkott
Man muss ihn zumindest relativieren.

Damals ist man nicht davon ausgegangen, dass die USA noch einmal ein so hohes reales Wachstum hinbekommen würden wie in den letzten Jahren. Durch massive Transferzahlungen haben die USA ihre Wirtschaft extrem stabilisiert – mit entsprechend hohem realem Wachstum.

China hat dagegen ein anders gelagertes Problem:
Wir sehen dort sehr viele Merkmale einer Bilanzrezession – insbesondere im Immobiliensektor.

Daher waren wir aus Makrosicht seit Anfang 2023 sehr vorsichtig mit China. Viele Maßnahmen wirkten lange wie eine Art „Tröpfchenbewässerung“.

Entscheidend war dann eine Sitzung des Politbüros vor Kurzem:
Hier wurden zusätzliche fiskalische Maßnahmen angekündigt, also nicht nur geldpolitische.

Das könnte ein Wendepunkt sein – ähnlich wie der „Whatever it takes“-Moment von Mario Draghi damals in Europa.

Vorher war die Stimulation zu zögerlich, jetzt hat man eher den „Gartenschlauch“ ausgepackt.

15:01 – Christoph Damm
Ihr hattet das ja fast prophetisch in einem anderen Podcast gefordert – kurz darauf kamen neue Maßnahmen.

Jan, kurzfristig war das sehr erfolgreich: China-Aktien hatten die beste Woche seit Jahren, teilweise den besten Tag seit 15 Jahren.

War dieser Schritt der Notenbank aus deiner Sicht die Initialzündung für China-Aktien?

15:44 – Jan Beckers
Kurzfristig auf jeden Fall.

Die große Frage ist jetzt:
– Ist diese Initialzündung groß genug?
– Wird sie durch weitere Maßnahmen flankiert?
– Und: Bleibt der politische Gegenwind für die Märkte gering?

Wir sehen gute Indikationen, dass es die Führung diesmal ernst meint.

Dazu kommt die Bewertung:
China war extrem günstig – selbst nach den jüngsten Anstiegen sind viele Aktien noch sehr billig bewertet.

Spannend ist auch, dass chinesische Retail-Anleger wieder in den Markt kommen. Die Account-Zahlen bei Brokern steigen deutlich.

Es könnte also ein sehr wichtiger Moment für den chinesischen Aktienmarkt sein.

Die mittel- und langfristigen geopolitischen Risiken bleiben aber – insbesondere aus Sicht westlicher Anleger. Deshalb halten wir unsere China-Quote im Portfolio weiterhin im einstelligen Prozentbereich.

Aber wir freuen uns, dass wir mit unseren sehr selektiven, günstig bewerteten Positionen momentan gut mitverdienen.

18:13 – Christoph Damm
Du hast das Risiko schon angesprochen – deswegen sind die Bewertungen so niedrig, obwohl viele Geschäftsmodelle gut aussehen.

Klassischer Reflex von Anlegern:
– Konjunkturpaket
– Mehr Geld bei den Konsumenten
→ Also Konsumaktien wie Alibaba, PDD & Co.

Alibaba und PDD haben zuletzt ja stark reagiert.
Welche Branchen oder Titel werden deiner Meinung nach noch profitieren?

18:44 – Jan Beckers
Es gibt sehr viele Branchen, die profitieren können – und extrem viele Einzelaktien.

Wir haben zum Beispiel kürzlich wieder bei PDD zugegriffen. Die Aktie hatten wir früher im Portfolio, dann längere Zeit nicht. Nach den Q2-Zahlen kam es zu einem massiven Kurseinbruch von rund 40–45 % – trotz sehr guter Zahlen:

– Gewinn mehr als verdoppelt
– Umsätze massiv gesteigert

Die Bewertung war danach bei einem KGV von etwa 7 – bei hohem Wachstum und großem Cash-Bestand.

Der Grund für den Kurssturz war v. a. ein vorsichtigerer Ausblick und das Schlagwort „High Quality Development“, das im Call sehr häufig fiel. Das hat viele Anleger verschreckt, weil sie politische Einflussnahme befürchteten.

Für uns war es eine Gelegenheit:
Wir kannten das Muster schon – konservative Ausblicke, die dann übertroffen werden.

Bei PDD haben wir zugegriffen.
Bei Alibaba hingegen nicht – da sehen wir sie im Wettbewerbsvergleich momentan als eher schwächer an.

20:35 – Marcel Oldenkott
Vielleicht noch ein ergänzender Punkt aus Makro-/Flowsicht:

Wir schauen uns auch die Positionierung globaler Fonds an.
Es gibt eine Auswertung, die etwa 1,1 Billionen US-Dollar an Assets in Mutual Funds weltweit betrachtet.

Ergebnis:
Die Allokation in China liegt aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Messung – im untersten Dezil. Viele Fonds sind deutlich untergewichtet, einige prominente Häuser sind sogar komplett aus China rausgegangen.

Wenn sich jetzt das Narrativ ändert – Stichwort „Whatever it takes“-Moment – und die Leute beginnen umzudenken, kann allein das zu starkem Kapitalzufluss in chinesische Aktien führen.

Das ist aus unserer Sicht ein zusätzlicher Rückenwind, falls sich die politische Linie bestätigt.

23:17 – Christoph Damm
Wenn wir sehen, wie China seine Konjunktur mit so einem Paket anschiebt – wäre das nicht auch ein Modell für Europa?

Wir kämpfen hier ja mit schwachem Wachstum, gerade in Deutschland. Wäre die EZB nicht in der Lage, ein ähnliches Programm zu fahren?

23:35 – Marcel Oldenkott
Für Europa ist das deutlich schwieriger.

Der spannende Teil in China ist vor allem der fiskalpolitische – und da kann die EZB gar nichts tun. Sie hat nur die geldpolitischen Instrumente, während die Fiskalpolitik in Händen der Staaten liegt.

Und wenn man sieht, wie langwierig Abstimmungen in Europa sind, kann ich mir kaum vorstellen, dass wir ein ähnlich konzertiertes Programm hinbekommen.

Außerdem:
China hat aktuell Deflationsdruck – fallende Güterpreise.
In Europa haben wir ein anderes Problem: strukturell schwaches Wachstum aus ganz anderen Gründen – Regulierung, Energiepreise, Demografie, Bürokratie.

Das kann man nicht einfach mit „mehr Geld“ von der EZB lösen.
Da braucht es kluge Wirtschaftspolitik durch die Staaten.

24:21 – Jan Beckers
Ich sehe das ähnlich.

Das Hauptproblem in Europa ist nicht der Zins, sondern dass wir politisch an vielen Zukunftstechnologien vorbeiplanen, falsche Anreize setzen (z. B. für sehr wenig Arbeit) und eine Industriestruktur haben, die nicht besonders zukunftsorientiert ist.

Diese strukturellen Probleme löst man nicht mit billigem Geld.
Wir brauchen Reformen – und die sind politisch viel schwieriger durchzusetzen.

25:17 – Christoph Damm
Ich dachte, ich frage mal – beim letzten Mal hat es ja in China ziemlich gut geklappt: Ihr fordert etwas, und kurz darauf passiert es tatsächlich.

In Europa müsste dafür aber deutlich mehr passieren, da reicht nicht eine Person, die den Schalter umlegt.

Jetzt wollten wir eigentlich über Makro reden, aber es gab noch eine spannende Entwicklung bei einem Einzelwert in eurem Portfolio: Caspi.

Gegen das kasachische FinTech gab es einen Shortseller-Report mit kräftigen Anschuldigungen.
Unter anderem hieß es, ein großer Teil des Geschäfts werde mit Russland gemacht und das sei verschwiegen worden.

Caspi hat das dementiert, die Aufsicht sieht keinen Grund zur Beanstandung.
Ihr habt ja gute Einblicke in eure Firmen – wie reagiert ihr, wenn so ein Bericht auftaucht?

Ruft ihr sofort das Management an, sprecht ihr mit der Aufsicht – wie läuft das ab?

26:12 – Jan Beckers
Wir haben den Report natürlich sofort gesehen – schon in den Pre-Market-Kursen, als die Aktie im zweistelligen Prozentbereich im Minus war.

Der erste Schritt ist: Lesen.
Was steht konkret im Report?

Viele Punkte waren auf den ersten Blick stark übertrieben, reißerisch und aus unserer Sicht an den Haaren herbeigezogen. Shortseller haben ja ein klares Ziel: Sie sind short und wollen Kurse drücken.

Bei manchen Punkten konnten wir aus der Ferne nicht mit 100%iger Sicherheit sagen, ob sie Substanz haben oder nicht.

Also der nächste Schritt:
– Gespräch mit dem Unternehmen
– Austausch mit anderen großen Investoren
– und: unser Analyst ist direkt am nächsten Tag nach Kasachstan geflogen, um vor Ort mit dem Management und der Zentralbank zu sprechen.

Wir wollten sicher ausschließen, dass es materielle, berechtigte Vorwürfe gibt.

Am Ende war das Bild klar:
Es gab viel Lautstärke, aber inhaltlich keinen Punkt, der das Investmentcase fundamental beschädigt hätte.

Wir haben die Schwäche daher genutzt, um die Position aufzustocken und gehen davon aus, dass wir die zusätzlich gekauften Stücke mit Gewinn verkaufen können, wenn der Markt sich beruhigt.

28:47 – Christoph Damm
Das ist natürlich ein Vorteil für euch als Profis – ihr habt den direkten Draht zu Unternehmen und könnt jemanden schnell vor Ort schicken.

Als Privatanleger sieht man nur: Kurs fällt, Bericht ist laut – aber die Erholung hat noch nicht alles wettgemacht.

Ihr rechnet also damit, dass das Thema noch Wochen bis Monate nachwirkt?

29:06 – Jan Beckers
Ja, das kann dauern.

Selbst wenn ein Report inhaltlich schwach ist, bleibt oft etwas „hängen“ – vor allem, wenn die meisten Investoren nicht in Kasachstan sitzen, sondern in den USA oder Europa und keinen direkten Zugang haben.

Eine erste Erholung haben wir schon gesehen – von den Tiefstkursen bis jetzt etwa +10–15 %.

Aber bis Caspi wieder dort steht, wo sie ohne den Report stehen würde, kann es durchaus einige Earnings-Zyklen dauern.
Die nächsten Quartalszahlen sind eine gute Gelegenheit für das Management, erneut transparent Stellung zu beziehen.

30:25 – Christoph Damm
Marcel, du bist zwar kein klassischer Aktienanalyst, aber als Co-CIO sitzt du mit Jan im gleichen Investmentprozess.

Hattet ihr bei Caspi sofort dieselbe Einschätzung, oder gab es bei dir kurz die Überlegung: „Vielleicht doch lieber verkaufen“?

30:43 – Marcel Oldenkott
In solchen Situationen ticken wir tatsächlich sehr ähnlich.

Ich mache seit 2007 institutionelles Asset Management, auch Global-Macro-Portfolios, und man sieht bestimmte Verhaltensmuster der Märkte immer wieder: Herdentrieb, Panik, Überreaktionen.

Der erste Schritt ist für uns immer: Ruhe bewahren, Informationen sammeln, dann entscheiden.

Wenn wir in der Analyse Substanz in den Vorwürfen gesehen hätten, hätten wir die Position reduziert oder geschlossen – je nach Schwere.
Aber in diesem Fall war es eher eine Gelegenheit, als ein Risiko.

31:54 – Jan Beckers
Wichtig ist: Caspi ist für uns eine High-Conviction-Position, die wir vorher sehr tief recherchiert haben.

Ein Beispiel:
Der Shortseller behauptete, rund 30 % der neuen Einlagen kämen von Russen.
Wir waren uns relativ sicher, dass das nicht stimmen kann – und am Ende waren es knapp 3 % von Kunden, die vor dem Krieg nach Kasachstan gezogen sind.

Also weder sanktionsrelevant noch wirtschaftlich kritisch.

Wenn man die Faktenlage gut kennt, kann man in so einer Situation entspannt gegen den Markt handeln – während andere aus Unsicherheit verkaufen.

34:05 – Christoph Damm
Das werden wir sicher weiter beobachten und hier nochmal aufgreifen, falls es neue Entwicklungen gibt.

Zum Abschluss noch ein Thema:
Euer Flagship-Fonds hat einen neuen Namen bekommen. Früher hieß er Global Internet Leaders, jetzt schon seit knapp einem Monat Global Technology Leaders.

Ändert sich da mehr als nur der Name?

34:27 – Jan Beckers
Im Kern ist es vor allem eine Klarstellung im Namen.

Als wir gestartet sind, war „Internet“ als Begriff noch sehr passend – heute ist praktisch jedes gute Technologieunternehmen digital.
Wir haben auch vorher schon in angrenzende Tech-Bereiche investiert, die man nicht mehr klassisch „Internet“ nennt.

Mit „Global Technology Leaders“ wird klarer, was wir machen – und wir sind besser mit anderen Fonds vergleichbar.

Die Strategie bleibt unverändert.

35:32 – Christoph Damm
Also: nur der Name ist neu, der Ansatz bleibt gleich.

Vielen Dank, Jan. Vielen Dank, Marcel, für den Deep Dive in die Makrowelt. Wir hören uns beim nächsten Mal wieder. Bis dahin!

35:44 – Jan Beckers
Sehr gerne, bis bald.

35:47 – Marcel Oldenkott
Danke euch, bis zum nächsten Mal.

35:50 – Christoph Damm
Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, habt ihr Themenwünsche, Kritik, Hinweise, Feedback, Fragen?
Schickt uns alles gerne an: beckers-bets@financeforward.com – die E-Mail-Adresse findet ihr auch in den Shownotes.

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